E-Paper - 19. Juni 2020
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Wie der Wilde Westen

nach Rümlang kam

Trotz Corona-Massnahmen hat Jaclyn Wicki in Rümlang zwei Line Dance Kurse ins Leben gerufen. Mit ihrer Leidenschaft und der breiten Palette an Choreografien und Musikgenres begeistert sie Jung und Alt.

Désirée Reinke

Rümlang. Ein bisschen Rock'n'Roll, Country oder Popmusik, (nicht zwingend) einen Cowboyhut und Lederstiefel viel braucht es nicht, um ein Stück amerikanischer Kultur in die Schweiz zu holen. Die beiden Line Dance Kurse, die Jaclyn Wicki Anfang Juni gestartet hat, sind der beste Beweis dafür, dass der Wilde Westen auch in Rümlang einziehen kann. Und das trotz der strengen Corona-Auflagen. «Beim Line Dance tanzt man auf einer Linie und hält Abstand zu den anderen», erklärt Jaclyn Wicki. Jeder Tänzer lerne die gleichen Schritte für ein bestimmtes Lied und das egal wo auf der Welt. «Wer Line Dance tanzen kann, muss die Sprache nicht sprechen», ist die Tänzerin überzeugt.

Liebe zu Amerika

Schon seit ihrer Jugend hat sich die 55-Jährige dem Tanzen verschrieben. «Ich habe mit Tanzkursen angefangen und dann bis 23 Jahre Rock'n'Roll-Wettkämpfe getanzt», verrät Wicki. «Es ist immer schon meine Welt gewesen.» Vor sieben Jahren habe sie dann das Line Dance für sich entdeckt. «Das Schöne daran ist, dass man es alleine tanzen kann, ohne Partner, und sehr schnell Anschluss findet.» Besonders aber das amerikanische Flair dabei reize sie. «Es braucht schon eine gewisse Liebe für Amerika», meint Jaclyn Wicki. Vor drei Jahren habe sie sich dann entschieden, Line Dance noch einmal aus einer weiteren Perspektive kennenzulernen. Als sie angefragt wurde, Kurse zu geben, nahm sie an der Ausbildung zur Tanzlehrerin teil. «Ich habe auch schon Kurse in Florida gegeben», berichtet Wicki. Der US-Bundesstaat, den sie in den letzten sieben Jahren regelmässig besucht habe, gelte als Hochburg des Line Dance. Nach ihrer Rückkehr ins Unterland stellte sie fest, dass es in Rümlang keine Kurse gab. «Also entschied ich mich, selbst etwas aufzugleisen», lacht die Amerika-Enthusiastin.

Breite Palette an Liedern

Innerhalb von drei Wochen rief sie zwei Anfängerkurse im Rümlanger Gemeindesaal ins Leben. «Und ich wurde bombardiert mit Anmeldungen», freut sich die Unterländerin. «Anscheinend habe ich damit einen Nerv getroffen.» Zwischen 20 und 80 Jahre alt seien die Teilnehmer ihrer Kurse gar nicht so einfach, dabei jedem gerecht zu werden. «Ich achte immer auf ein möglichst breites Spektrum an Liedern», erklärt Jaclyn Wicki. Jedes Lied werde in kleine Einheiten unterteilt und bei verlangsamter Musik einstudiert. «Das ist oft gar nicht so einfach», weiss die Tänzerin. «Man muss sich konzentrieren, um sich die vielen Schritte merken und bei bestimmten Liedern abrufen zu können.» Das Tempo ihrer Kurse richte sich daher immer danach, wie sicher sich die Tänzer mit dem Tanz fühlen. Pro Saison gebe es jeweils über 100 neue Lieder und Choreografien zur Auswahl. «Leute mit fotografischem Gedächtnis haben hier einen Vorteil.»

Ihren Kursen und dem Line Dance widmet Jaclyn Wicki viel Zeit. Zweimal pro Woche studiere sie zu Hause die Tänze für ihre Schüler ein, bereite sie für Anfänger auf und suche nach den Knackpunkten darin. Aber auch um ihr eigenes Repertoire an Tänzen muss sich die 55-Jährige, die Vollzeit als Projektleiterin bei der Patenschaft für Berggemeinden arbeitet, kümmern. «Wer nicht regelmässig zu den Songs tanzt, vergisst die Schritte wieder.» Insgesamt seien es in ihrem Fall zwischen 40 und 50 verschiedene Choreografien, die sie im Kopf habe. Diese in ihre ehemalige Heimatgemeinde Rümlang zu bringen, sei eine schöne und spezielle Erfahrung für sie gewesen. «Jetzt fehlt hier nur noch ein Tanzlokal oder ein Country-/Linedance-Fest», lacht sie. «Freiwillige vor!»

Unterland Zeitung vom Freitag, 19. Juni 2020, Seite 14 (75 Views)

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