E-Paper - 14. Februar 2020
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Hochwasserschutz aufwendiger als gedacht

Der Hochwasserschutz in Rafz ist aufwendiger als gedacht. Zum Ende 2019 vorgestellten Vorprojekt der

Gemeinde laufen zurzeit noch

Gespräche mit Grundeigentümern. Die Strassensanierung des Kantons muss warten, bis das definitive Projekt rechtsgültig ist. Aber die Beläge werden 2020 erneuert.

Bettina Sticher

Rafz. Die Gemeinde Rafz hat 2018/19 aufgrund neuer Vorgaben durch den Kanton ihr ursprüngliches Hochwasserschutzprojekt vom Jahr 2017 überarbeitet. Das war nötig, weil in der Zwischenzeit neue Erkenntnisse über Wasserführung und Oberflächenabfluss gewonnen worden waren. Statt für ein 100-jährliches Ereignis werden die Schutzmassnahmen neu so bemessen, dass sie auch ein selteneres Ereignis abwehren können. Mit diesem risikobasierten Ansatz wird das Ziel verfolgt, die Hochwassergefährdung markant zu reduzieren.

«Keine Wälle, sondern Flachdämme»

Beruhend auf Schätzungen der kantonalen Gebäudeversicherung könnten in einem solchen Fall auf dem Rafzer Gemeindegebiet gegen 400 Gebäude betroffen sein und eine Schadenssumme von 27 bis 43 Millionen Franken entstehen. «Neu müssen die Berechnungen mit deutlich höheren Wassermengen durchgeführt werden und damit, dass der Oberflächenabfluss von Seiten Adenberg und Milchbuck die Gebiete Lohnacker, Tierloch und das Dorfzentrum zusätzlich überfluteten», erklärt Gemeinderat Roman Neukom (Ressort Hochbau und Liegenschaften) und Leiter der Arbeitsgruppe Hochwasserschutz Landbach auf Anfrage. «Weil bei einem 100-jährlichen Hochwasser sehr grosse Wassermengen anfallen, genügt ein Becken nicht, um das Wasser zurückzuhalten», so Neukom.

Darauf werde im Projekt mit zwei Massnahmen reagiert: Die bestehende Eindolung des Landbachs unter der Landstrasse wird mit einer neuen Rohrleitung (Bypass) ergänzt. Im Gebiet Lohnacker und Hofacker würden durch Terrainmodellierungen zwei weitere Rückhalteräume geschaffen. Dabei würden Feldwege in natürlichen Geländemulden angehoben und so zu Abschlussbauwerken umfunktioniert. «Es werden keine Mauern oder Wälle errichtet, sondern Terrainanpassungen am Siedlungsrand vorgenommen, die am ehesten Geländekuppen oder Hügeln gleichen und im Fachjargon Flachdämme genannt werden», betont Roman Neukom.

Kosten von rund sechs Millionen

«Das Projekt hat eine Grösse erreicht, mit der es der Aufsicht des Bundes unterstellt wird», so Neukom (Projektkosten von mehr als fünf Millionen Franken). Die Kosten sind wegen der erhöhten Anforderungen von ursprünglich geschätzten 3,5 Millionen (erstes Projekt) auf rund sechs Millionen Franken gestiegen, wie die Gemeinde bereits im vergangenen Jahr informiert hatte. Gemäss diesen Unterlagen wurde das Projekt als wichtiges Hochwasserschutzprojekt im Kanton Zürich eingestuft und befindet sich bezogen auf das Schadenspotenzial in den Top-3-Projekten des Kantons. Das Projekt zeichne sich durch die Kombination verschiedener Massnahmen an diversen Standorten aus und berücksichtige somit eine Erkenntnis aus den Ereignissen 2018 im Wehntal. «Ein Verbund an Massnahmen schützt umfassender als isolierte Einzelmassnahmen. Das Siedlungsgebiet von Rafz wird somit integral vor Hochwasserereignissen und Oberflächenabfluss nachhaltig geschützt», so Neukom.

Baubeginn 2022 vorgesehen

Nach den Angaben der Gemeinde fallen von den Projektkosten 35 Prozent auf Bund und fünf bis zehn Prozent auf den Kanton. Zudem stehe man in Verhandlungen über einen Beitrag des kantonalen Tiefbauamtes und über eine mögliche privatwirtschaftliche Drittfinanzierung von Versicherungen. Das überarbeitete Projekt befinde sich derzeit in der Vernehmlassung beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Danach liege es, voraussichtlich im dritten oder vierten Quartal 2020, öffentlich auf. Baubeginn ist gemäss dem Projektgruppenleiter für das Jahr 2022 vorgesehen.

Das Projekt Hochwasserschutz Rafz wurde und wird gemäss Gemeinderat Roman Neukom in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden Wasserbau, Bodenschutz und Landwirtschaft erarbeitet. An der Projektierung direkt beteiligt sind der Gemeinderat, Vertreter der Rafzer Planungs- und Energiekommission und der Gemeindeingenieur. Der Einbezug der Bevölkerung und der direkt betroffenen Grundeigentümer sei ein starkes Anliegen der Gemeinde. Im November 2019 sei deshalb eine erste Informationsveranstaltung für Grundeigentümer abgehalten worden. Im Dezember folgte eine weitere Information im Anschluss an die Gemeindeversammlung. Der aktive Kontakt und Austausch mit den direkt Betroffenen werde bis zum Abschluss des Projektes, das heisst bis und mit Umsetzung, aufrechterhalten.

Weitere Gespräche mit Eigentümern

Auch Ende Februar finden wieder Gespräche statt. Wie immer bei solchen Projekten sind Fragen da und nicht immer alle sofort und gleichermassen begeistert. Einer der Grundeigentümer ist die Firma Hauenstein AG, Baumschule und Gartencenter. «Wir haben Ende Februar einen zweiten Termin, unter anderen mit Vertretern der Gemeinde Rafz. Dort werden wir über die möglichen Auswirkungen der geplanten Hochwassermassnahmen auf unsere Baumschulproduktionsfläche informiert», erklärt Rainer Marxsen, Vorsitzender der Geschäftsleitung auf Anfrage.

Kompliziert ist der Hochwasserschutz am Landbach neben den gestiegenen Anforderungen zudem wegen der gleichzeitig laufenden Projekte Ausbau der Bushaltestelle beim Alters- und Pflegezentrum Peteracker und der Sanierung der Landstrasse durch den Kanton. Das AWEL verlangt als Bedingung für den Neubau eines Durchlasses für den Buswendeplatz von der Gemeinde, zuerst den Hochwasserschutz am Landbach rechtsgültig sicherzustellen. Die befristete provisorische Busüberfahrt wird wegen der Projektüberarbeitung vom Kanton gemäss dem Projektgruppenleiter aber weiterhin toleriert. Das optimierte Projekt Hochwasserschutz am Landbach sehe vor, den Hochwasserabfluss des Landbachs beim Alterszentrum aus dem natürlichen Gerinne zu leiten und in ein Versickerungsbecken zu führen.

Belagsarbeiten im Sommer

Das Strassenprojekt umfasst die Sanierung der Badener-Landstrasse von eingangs Rafz bis zur deutschen Grenze sowie den hindernisfreien Ausbau sämtlicher Bushaltestellen, erklärt Thomas Maag, Mediensprecher beim kantonalen Tiefbauamt auf Anfrage. Das Strassenprojekt sei bereits 2016 öffentlich aufgelegt gewesen. «Da der Landbach komplett unter der Strasse verläuft, kann das Strassenprojekt erst umgesetzt werden, wenn das Hochwasserprojekt steht. Deshalb sei der Zeitplan für das Strassenprojekt aktuell noch offen.

Die Kosten für diese Bauarbeiten betragen gemäss Maag rund fünf bis sechs Millionen Franken. Da die Strasse teilweise in sehr schlechtem Zustand, der Zeitpunkt der definitiven Sanierung aber noch offen ist, wird das kantonale Tiefbauamt diesen Sommer einige Sofortmassnahmen in Form von Belagsarbeiten vornehmen, wie von Maag zu erfahren war.

Unterland Zeitung vom Freitag, 14. Februar 2020, Seite 5 (5 Views)

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