E-Paper - 14. Februar 2020
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Ein Streit kann zum Ventil werden

Am Montagabend führte die Primarschule einen Elternabend zum Thema «Gestärkt im Konflikt» durch. Unter der Leitung der Mediatorin Doris Brodmann und der Sozialarbeiterin Olga Lionello wurde Eltern aufgezeigt, wie sehr das soziale Verhalten die eigenen Kinder prägt.

Luca da Rugna

Rümlang. Eine halbe Stunde vor der einleitenden Präsentation genossen die Eltern noch die Gelegenheit, sich bei einem kleinen Apéro aufzuwärmen und gegenseitig kennenzulernen. Ab 19 Uhr wurde es dann ernster: Konflikte und Streitereien. Ein Thema, das wohl jede Familie kennt. Der individuelle Umgang bei familieninternen Streitigkeiten unterscheidet sich jedoch in den meisten Fällen von dem der Nachbarn und kann das zwischenmenschliche Verhalten einer Familie manchmal über Generationen prägen.

Zwischen Verstand und Körper

Ob beim Nachbarn oder familienintern: Bei Streitigkeiten schlägt die Wirkung der schnell entstehenden Wut des Moments nicht nur im Kopf, sondern auch in der Bauchregion zu. Diese Unausgeglichenheit führt ebenfalls dazu, dass sich Kinder wie Erwachsene hinter die Mauer der eigenen Bedürfnisse begeben und Konflikte durch diese Barriere in vielen Fällen nicht vernünftig lösen können. Reden und zuhören sind die zwei elementaren Faktoren zu einem klärenden Gespräch, das nicht selten sogar mehr positive Nachwirkungen als erwartet nach sich ziehen kann. In der Hitze des Gefechts gehen Konsens und Vernunft jedoch auch oft verloren, bis sich zwei Streitende völlig voneinander entfernen und letztendlich keiner der beiden seine Ziele erreichen.

Manchmal hätten beide recht

Die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen ist nicht einfach, doch kann bei Konflikten fast Wunder bewirken. «Wenn ich spät abends nach Hause komme und die Küche nicht gemacht ist, bin ich auch schon von 0 auf 100 gerast. Aber vielleicht hat mein Mann ja einen Grund, weshalb er trotz Versprechen noch nicht dazu gekommen ist», so schilderte Doris Brodmann eine Situation aus ihrem Privatleben. In der Familie, in der Schule, in der Nachbarschaft, im Altersheim oder bei der Arbeit. Streitigkeiten begleiten Menschen durch das ganze Leben.

Nur wenige Personen stehen Streitigkeiten offen gegenüber. «Streitigkeiten sind äusserst ambivalent. Wer die Oberhand der Situation hat, verliert sie auch schnell wieder», sagte Brodmann. Aber eine Welt ohne Konflikte sei nicht vorstellbar und im Privatleben seien Konflikte oft der Auslöser dafür, dass Familien danach enger zusammenrücken. Damit das gelingen kann, braucht es einen Konsens. «In den meisten Familien wird entweder direkt und vielleicht etwas zu laut konfrontiert und in anderen wird vieles verschwiegen, um die Harmonie der Familie oder die Stimmung beim aktuellen Abendessen nicht zu stören.»

«Wenn das Kind die Haare nicht waschen will und die Mutter vor lauter Aufregung davonläuft, wird der gegenseitige Respekt oder das Verständnis für den anderen kaum grösser», so Brodmann weiter. Es gebe eigentlich nur fünf verschiedene Arten von Konflikthandhabungen. Die Erste wäre das «Kampf»-Muster, sprich nur die eigenen Bedürfnisse zählen. Andere wiederum nehmen sich zurück und sind auf das Schlichten aus, was dem «Anpassungstyp» entspricht.

Die Konfliktmuster

Eine schlechtere Variante ist das «Vermeidungsmuster», also «Ich will nicht darüber reden». Und zwar weder heute noch morgen. Die Kompromiss- oder Konsensmethoden sind wohl die zielführendsten Methoden, da die Neutralität der zwei Streitenden so gewahrt wird. «Lernen sie von der Wolfssprache zur Giraffensprache zu wechseln», meint Doris Brodmann. Es sei unglaublich wichtig, dass man besonders als Elternteil die eigenen «Triggerpunkte» kenne, um die eigene Schwäche zum einen zu bewältigen und andererseits gegenüber dem Kind eine Vorbildfunktion ausüben zu können. «Wenn die Mutter vom Kind davonläuft, denkt sich das Kind, dass die Mutter auch ein Kind sei.»

Reden und nochmals reden

Streite und Konflikte führen zu starken Emotionen, wie etwa bei der Liebe. Wenn das Wutgefühl überschwappt, verlieren die meisten Menschen ihr wahres Gesicht. Andere wiederum würden behaupten, es sei das wahre Gesicht. «Es gibt im Hirn einen Punkt, dieser liegt im Hinterkopf und dominiert bei einem Streit das emotionale Kontrollzentrum so sehr, dass das gegenüber überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird», sagt Brodmann. Deshalb sei jegliche Form von Aussprache das A und O in Konfliktsituationen. «Natürlich kann räumlicher Abstand manchmal auch hilfreich sein, aber nicht ohne irgendeine Form von Aussprache, die zuvor stattfand.»

Zum Abschluss erzählte Doris Brodmann von einer eher lustigen wie einfachen Erfahrung in einem anderen Schulhaus. «Ein Junge sagte nur: Wenn ich ihm eine in die Fresse hauen darf, dann wäre ja alles wieder gut. Der andere hätte die Wange sogar gerne hingehalten, um weitere Gespräche zu vermeiden.»

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 14. Februar 2020, Seite 3 (4 Views)

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