E-Paper - 14. Februar 2020
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Spielerisch in die

Welt der Bücher eintauchen

Als Leseanimatorin führt Angela Richard Kleinkinder im Alter von null bis fünf Jahren an das Lesen heran. In der Gemeindebibliothek Rümlang sowie in Opfikon und Dielsdorf bietet sie regelmässige Buchstart-Veranstaltungen und Geschichtenstunden an.

Désirée Reinke

Rümlang. «Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die gewaltigste», soll der Dichter Heinrich Heine einmal gesagt haben. Und damit diese Welt auch den nachfolgenden Generationen noch lange erhalten bleibt, lancierte das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien in Zusammenarbeit mit Bibliomedia im Jahr 2008 das Projekt «Buchstart». Ziel ist, Kinder über das Lesen in ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen und gleichzeitig Eltern zu sensibilisieren, die Wahrnehmungsfähigkeit ihres Kindes spielerisch zu fördern. Dazu erhalten sie nicht nur ein Buchstart-Paket mit zwei ersten Büchern und einer Infobroschüre, sondern auch Unterstützung durch Leseantimatorinnen. Eine von ihnen ist Angela Richard aus Rümlang.

Altersentsprechende Förderung

«Viele Jugendliche können heute nicht richtig lesen», sagt Angela Richard mit Blick auf die aktuellen Pisa-Ergebnisse. «Es ist daher wichtig, dass wir Kinder schon ganz früh an Bücher heranführen.» Bereits ab einem Alter von etwa sechs Monaten könne man beginnen, Bücher in den Alltag eines Kindes einzubinden. «Sie nehmen das alles schon auf», weiss die Leseanimatorin. Insbesondere dann, wenn das Buch zu einem festen Ritual jeden Tag werde. «Sei es als Versli am Mittagstisch oder als Gute-Nacht-Geschichte am Abend je mehr, desto besser.» Für die Kleinsten sei es auch schön zu erforschen, was man mit einem Buch alles machen könne. «Man kann es ja nicht nur anschauen», schmunzelt Richard. «Man kann es auch in den Mund nehmen, man kann es zusammen aufklappen oder allein.» Auf diese Weise werde die Fantasie angeregt.

Bei den älteren Kleinkindern hingegen komme es schon auf den Inhalt des Buches an. «In der Geschichtenstunde erzähle ich ein komplettes Bilderbuch», so die Rümlangerin. Anschliessend werde dann gemeinsam gebastelt und gemalt zum Thema. «Die Bücher werden nach und nach immer anspruchsvoller», erklärt die Gemeindebibliothekarin. Seien die Kinder mit einem Buch unterfordert, werde ihnen schnell langweilig. Das Lesen müsse daher immer an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst werden. Für die Altersklassen null bis zwei Jahre und zwei bis fünf Jahre bietet Angela Richard regelmässige Veranstaltungen in ihrem Heimatort Rümlang an sowie Buchstart-Veranstaltungen in Opfikon und Dielsdorf. «Das hat sich gut eingependelt», freut sich Richard. «In Rümlang habe ich sogar schon einige Stammkunden.» Dass die Kinder und Eltern immer wiederkämen, sei für sie das schönste Lob.

Horizont erweitern

Dabei packte Angela Richard selbst die Lust zum Lesen erst recht spät. «Meine Eltern waren beide berufstätig in einer Gaststätte und ich war viel bei meinen Grosseltern», erinnert sich die gebürtige Deutsche. Diese hätten mehr Geschichten von früher erzählt als Bücher vorgelesen. Zum Lesen sei sie erst mit neun Jahren durch einen Spitalaufenthalt gekommen. «Da habe ich die Märchen der Gebrüder Grimm bekommen.» Und von da an habe sie das Lesen nicht mehr losgelassen. Heute lese sie am liebsten Krimis und Thriller.

Zu einer Ausbildung zur Gemeinde- und Schulbibliothekarin entschloss sich die zweifache Mutter vor zehn Jahren. «Ich arbeite hier mit Kindern, Erwachsenen und mit der Schule zusammen», so die 45-Jährige. «Das ist mein Traumjob.» 2016 bildete sie sich zwei Jahre lang zur Leseanimatorin weiter. «Dazu sollte man Freude am Umgang mit kleinen Kindern haben, geduldig sein und sich nicht nervös machen lassen», empfiehlt Richard. Sie selbst sei durch ihre eigenen Kinder darin gut geschult gewesen. Und trotzdem könne sie selbst durch ihre Arbeit als Leseanimatorin noch immer etwas lernen. «Ich lerne dadurch Schweizerdeutsch», lacht sie. Und auch andere Muttersprachen der Kinder und Eltern seien immer wieder Thema in ihren Lesestunden. So bleibt es nicht nur für die Kleinen, sondern auch für Angela Richard tatsächlich eine gewaltige Welt der Bücher, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 14. Februar 2020, Seite 18 (10 Views)

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