E-Paper - 14. Februar 2020
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Archäologische Funde beim Gubrist sind jetzt in einem Buch dokumentiert

Bei den Vorarbeiten zur dritten Röhre des Gubristtunnels zwischen Zürich-Affoltern und Regensdorf sind Archäologen auf keltische und römische Funde gestossen. In Rettungsgrabungen von 2009 bis 2014 wurden sie sichergestellt. Jetzt gibt es ein Buch darüber.

Luca Da Rugna

Regensdorf. Schon 2008 bestätigten einige Vorsondierungen die Vermutung, dass auf dem Installationsplatz für die Grabung der Tunnelröhre des Gubrists archäologische Überreste aus längst vergangenen Zeiten zu finden sind. Deshalb führte die Kantonsarchäologie Zürich von 2009 bis 2014 während fünf Jahren auf 12 500 Quadratmetern eine Grabung durch und dokumentierte die Fundstücke, bevor sie durch den geplanten Tunnelbau zerstört werden konnten. Finanziert wurde die äusserst anspruchsvolle Grabung unter anderem vom Bundesamt für Strassen.

Über 10 000 Jahre alte Funde

Es sind Spuren von Menschen aus der Mittelsteinzeit bis in die jüngsten Jahrhunderte am Gubrist gefunden worden. Die Chronologie beginnt mit Werkzeugen aus Feuerstein, welche von Jägern wohl irgendwann zwischen 9200 und 6700 v. Chr. verloren oder nach ihrem Tode hinterlassen wurden. So hinterliessen jedoch auch die berühmten Römer ihre Spuren im Furttal. Man fand eine Abfolge von Bauten, die den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zuzuordnen sind. Speziell das einstige Vorhandensein von römischen Strassen konnte nachgewiesen und genau zurückverfolgt werden. Ein Höhepunkt der archäologischen Untersuchung am Gubrist stellt die Entdeckung eines Bestattungsplatzes aus der späten Eisenzeit dar. Die imposante Anlage setzt sich aus vier Körperbestattungen, acht Brandgräbern, zahlreichen Grabbeigaben und Fundamenten von drei Grabmonumenten zusammen.

Die Redaktion befragte Markus Pfanner, Kommunikationsleiter der Baudirektion des Kantons Zürich, zu den Rettungsgrabungen die von 2009 bis 2014 in Regensdorf beim Installationsstandort für die dritte Tunnelröhre des Gubrists gemacht wurden.

Herr Pfanner, können Sie die Herausforderungen schildern, die eine solch lange Grabung mit sich bringt. Wie ist das zu Beginn vonstatten gegangen?

Markus Pfanner: Der Bund als Bauherr zog die Kantonsarchäologie von Anfang an bewusst ein, da in diesem Gebiet archäologische Funde vermutet werden konnten. Die frühzeitige gemeinsame Planung ist bei einem Bauvorhaben der Normalfall.

Nach Sondierungen im Jahr 2008 wurden 2009 erste grössere Flächen genauer untersucht. Die zunehmende Fülle von Überresten menschlicher Aktivitäten aus verschiedenen, zum Teil noch wenig bekannten Epochen, hatte zur Folge, dass die Grabungsfläche immer weiter ausgedehnt werden musste. Die grosse Herausforderung war, während der einzelnen Grabungsetappen jeweils auf neue, zunächst nicht genauer interpretierbare Entdeckungen zu reagieren und trotzdem die zu untersuchende Gesamtfläche, den Zeitrahmen sowie die Kosten im Auge zu behalten.

War es ein Zufallsfund oder gab es bereits Vermutungen aus Kennerkreisen, die darauf hinwiesen, dass man beim Bau des Tunnels auf Relikte stossen würde?

Die Baustelle befindet sich in einer alten Kulturlandschaft. Aufgrund von früheren Grabungen in der Region war auch in diesem Gebiet mit Funden zu rechnen. Oberhalb der Fundstelle war man im 19. Jahrhundert ausserdem auf «altes Gemäuer» gestossen. Das «Gemäuer» ist zwar nicht datiert, doch wurde vermutet, dass es sich um Reste von Gebäuden eines römischen Gutshofs gehandelt haben könnte. Zudem befindet sich knapp 400 Meter weiter nördlich, auf der anderen Seite der Affolternstrasse, die Ruine der im 11. Jahrhundert errichteten Burg Alt-Regensberg. Bereits auf der Gygerkarte von 1667 ist auch eine Strasse zwischen Affoltern und Regensdorf eingezeichnet, was auf ein gewisses Alter und die Bedeutung des Verkehrswegs am Südrand des Furttals hinweist. Die schliesslich im Areal entdeckten Überreste übertrafen jedoch sämtliche Erwartungen.

Wie verlief die Zusammenarbeit zwischen Beat Horisberger und dem Kanton für seine Monographie?

Beat Horisberger ist Mitarbeiter des Kantons. Er ist stellvertretender Ressortleiter des Ressorts «Projekte» innerhalb der Kantonsarchäologie, welche bei der Baudirektion des Kantons Zürich angesiedelt ist. Es gab folglich keine Zusammenarbeit. Horisberger hat die Monographie im Rahmen seiner «normalen» Arbeit als kantonaler Projektleiter der Grabung geschrieben.

Was passierte mit den Fundstücken? Wurden sie an die archäologische Sammlung der Universität Zürich übergeben oder ist es ein Besitz- und Kulturgut der Gemeinde Regensdorf?

Das Fundmaterial ist Kulturgut des Kantons Zürich. Es wird gereinigt, inventarisiert und eingelagert, Einzelstücke werden konserviert und restauriert. Im Fundlager der Kantonsarchäologie werden die Funde unter klimatisch optimalen Bedingungen aufbewahrt. In einem nächsten Schritt wird geprüft, ob Stücke und wenn ja, welche allenfalls an Museen und Ausstellungen ausgeliehen werden.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 14. Februar 2020, Seite 11 (7 Views)

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