E-Paper - 14. Februar 2020
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Von Wartelisten und Nachwuchssorgen

Wie es bei den Sportvereinen um den Nachwuchs steht, das wollte der «Rümlanger» in einer Umfrage wissen. Obwohl die Situation bei den verschiedenen Clubs sehr unterschiedlich ist, müssen sich alle anstrengen, um die eigene Zukunft zu sichern.

Sabine Schneiter

Rümlang. Unihockey, Baseball, Tennis oder Karate: Kinder und Jugendliche, die in Rümlang einen Sportverein besuchen möchten, haben eine beträchtliche Auswahl. Das findet auch Thomas Huber, der als Gemeinderat für das Vereinswesen zuständig ist: «Wir haben ein gutes und breites Sportangebot», sagt er.

Dennoch ist der Zulauf sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Vereine verteilt. Während sich die einen vor Nachwuchs kaum retten können und wie der SV Rümlang und das Geräteturnen eine Warteliste führen, versuchen andere, die jungen Menschen mit diversen Mitteln von ihrem Hobby zu überzeugen. Oder sie müssen gar, wie der Handballclub Rümlang-Oberglatt (HCRO), die Juniorenmannschaft gänzlich auflösen.

Wenns nicht reicht für ein Team

«Die Situation ist ernüchternd für uns», sagt HCRO-Vorstandsmitglied Samira Schnewlin. «Wie kann man die Jugendlichen dazu animieren, sich für unseren Sport und den Verein zu entscheiden?» Dabei habe man vieles versucht: mit einem Angebot im Schulsport, Handballlektionen in Turnstunden oder Schülerturnieren. Das Interesse sei zwar vorhanden gewesen, doch es habe selten ausgereicht, um dauerhaft eine Mannschaft zu gründen. Dennoch werde man nicht aufgeben, sagt Schnewlin: «Unsere Hoffnung ist weiterhin, wieder genügend Kinder motivieren zu können und ein Juniorenteam zu bilden.» Denn nicht zuletzt gehe es darum, den Nachwuchs für die vier Erwachsenenmannschaften sicherzustellen und damit das Weiterbestehen des Vereins zu sichern.

Komplett anders präsentiert sich die Situation beim SV Rümlang. Die Grösse des Fussballclubs ist mit knapp 200 Junioren über die letzten Jahre zwar konstant geblieben doch das liegt nicht an der mangelnden Nachfrage, sondern an der Begrenzung der Trainingsplätze, der Garderoben und der Anzahl Trainer. Die Beliebtheit des Fussballs scheint dabei ungebrochen: Im Sommer konnte der Verein rund 35 neue Junioren aufnehmen, und schon stehen wieder 25 Namen auf der Warteliste. «Für viele Nationen ist der Fussball die Sportart Nummer eins, daher haben wir auch einen relativ hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln», erklärt Fred Maurer, Leiter Junioren, das Interesse. «Zudem ist Fussball leicht zugänglich, da man überall spielen kann, sobald man nur einen Ball hat.»

Trotzdem bleibt auch der SV von Nachwuchssorgen nicht ganz verschont: Im letzten Halbjahr gab es weder bei den 17- bis 22-Jährigen (A-Junioren) noch bei den 15- und 16-Jährigen (B-Junioren) eine Mannschaft. «Etwa ab der 2. Oberstufe sind andere Sachen wichtig, etwa die Lehre oder die Berufswahl», sagt Maurer. Man habe aber Massnahmen getroffen, um dem Mangel bei den oberen Jahrgängen entgegenzuwirken, etwa indem man nun wieder zwei Mannschaften bei den C-Junioren führe. «Es geht darum, längerfristig wieder mehr eigene Spieler zu den Aktiven überführen zu können», so Maurer.

Für alle ein Plätzchen finden

Eine Warteliste kennt auch der Turnverein Rümlang, und zwar beim Geräteturnen. Dort warten aktuell 10 Mädchen auf einen der 32 Plätze; pro Jahr werden vier bis sechs Plätze frei. Diese werden nach einem Auswahlverfahren vergeben. «Das Geräteturnen ist leistungsorientierter als die Jugendriegen und wir können aufgrund beschränkter Ressourcen nur die Besten aufnehmen», sagt Jugendhauptleiterin Seraina Klaus. Abweisen wolle man aber niemanden: «Für die anderen versuchen wir in der Jugendriege einen Platz zu finden.»

Insgesamt turnen knapp hundert Kinder und Jugendliche in einer der Riegen des TV. Die Beliebtheit des Vereins erklärt sich Klaus unter anderem mit dessen Präsenz im Dorf: «Man kennt uns, wir sind an vielen Anlässen vertreten.» Zudem seien die Kosten relativ günstig, und für Mädchen sei das sonstige lokale Angebot nicht sehr gross tatsächlich sind 75 Prozent der jungen TV-Mitglieder weiblich.

Ein Angebot, das sich ausschliesslich an Mädchen richtet, bieten die Hot Chilis Rümlang-Regensdorf. Auch sie können sich nicht über zu wenig Interesse beim Nachwuchs beklagen, wie Marco Fassler, Präsident des Unihockeyclubs, sagt. 68 Juniorinnen zählt der Verein, dieses Jahr konnte man ein zusätzliches Team aufstellen. «Unihockey als Ganzes hat in den letzten Jahren an Bekanntheit und Beliebtheit gewonnen. Dazu hat sicher beigetragen, dass wir das Fernsehen gewinnen konnten, die Playoffs zu übertragen», sagt Fassler, der auch im Nationalligakomitee Frauen bei Swiss Unihockey aktiv ist. Akute Nachwuchssorgen haben die Hot Chilis also nicht, doch ganz glücklich ist Fassler mit der aktuellen Situation trotzdem nicht. «Unser Ziel wäre es, mehr Juniorinnen aufnehmen zu können, doch dazu fehlt uns der Platz in der Halle», so der Präsident. Man bleibe aber dran mit Suchen und Verhandeln, denn für den Verein sei eine breit aufgestellte Juniorenabteilung wichtig. «Wir sind ein Leistungsverein und schlussendlich möchten wir genügend Nachwuchs in die Nationalliga überführen können», erklärt er.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 14. Februar 2020, Seite 1 (8 Views)

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