E-Paper - 14. Februar 2020
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Vegan ist längst kein Trend mehr

Wer im Lägernstübli in Boppelsen bestellt, erhält zwei Speisekarten: eine klassische und eine vegane. Die Gerichte sind praktisch identisch. Und manchmal nur

nur schwer zu unterscheiden.

Ramona Kobe

Boppelsen. Der Veganuary der vegane Januar ist zwar vorbei, im Lägernstübli in Boppelsen finden Veganer aber immer etwas Leckeres. Und zwar das ganze Jahr durch. Ob Zürigschnetzlets, Cordon Bleu oder knusprige Pouletflügeli beim Blick in die Speisekarte läuft einem regelrecht das Wasser im Mund zusammen. Und ja, diese Gerichte gibt es im Lägernstübli ohne Verwendung tierischer Produkte. Oder besser gesagt: auch. Denn: Fast alle Gerichte sind in zweifacher Ausführung erhältlich. Einmal klassisch, einmal vegan. Und manchmal lassen sich die beiden Speisen kaum voneinander unterscheiden, wie sich vor Kurzem in der Sendung «Einstein» zeigte. Im Lägernstübli nahm man verschiedene Fleischersatzprodukte unter die Lupe und wollte herausfinden, wie es schmeckt, wenn kein Tier drin steckt. Koch Savio Finocchiaro servierte dem Tester einen richtigen Burger mit Fleisch, Unternehmerin Lauren Wildbolz, die seit vielen Jahren als Vertreterin des Veganismus Bekanntheit erlangt, tat es ihm gleich nur halt ohne Fleisch. Sie war es auch, die aufs Lägernstübli zuging, weil sie das Testessen in Boppelsen durchführen wollte. Ein Angebot, das Peter Buff nicht ablehnen konnte. «Wir kennen uns schon seit vielen Jahren», sagt er, der seit 2009 Pächter des Lägernstübli ist. Davor gab es immer wieder Besitzerwechsel, 2008 blieb das Restaurant gar mehrere Monate geschlossen, da keine Nachfolge gefunden wurde. Schliesslich gründete der Bopplisser Thomas Weber eine Genossenschaft, um den Preis für den Kauf des Lägernstüblis zusammenzubringen.

«Vegan klang früher aggressiv»

Heute ist die vegane Küche kein Trend mehr, sondern bereits in der Gesellschaft angekommen. Immer mehr Leute entscheiden sich, gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten. Das war nicht immer so. «Vegan klang früher etwas aggressiv», erinnert sich Buff, der 2012 die vegane Küche nach Boppelsen brachte. «Wir wollten uns positionieren.» Das ist ihm gelungen. Das Lägernstübli erlangte dank den sozialen Medien sowie dem Verein «Vegane Gesellschaft Schweiz» (VGS) grosse Aufmerksamkeit und machte sich auch ausserhalb der Region einen Namen und zwar nicht nur bei den Veganern. «Wir haben auch viele Gäste, die sich für ein veganes Gericht entscheiden, obwohl sie Fleisch essen würden.» Und Buff ergänzt: «die einen aus Solidarität zur Begleitperson, andere aus purer Neugier.» Rund 40 Prozent der Speisen, die bestellt werden, erhalten keine tierischen Produkte. Was viele Leute nicht wissen: Auch auf der klassischen Speisekarte sind vegane Gerichte zu finden. Oder zumindest Teile davon, wie der Pächter erklärt: «Die Basis praktisch aller Gerichte ist vegan. Je nachdem wird beispielswiese normaler Rahm oder Soyarahm hinzugefügt.»

Wie schmeckt Schoggimousse?

«Fleischesser nerven sich manchmal, dass die veganen Gerichte traditionelle Namen wie Tatar oder Cordon Bleu tragen.» Dies ist laut Buff aber am einfachsten, damit die Leute verstehen, was bei ihnen auf dem Teller landet. Nur weil die Speisen denselben Titel tragen, müssen sie aber nicht gleich schmecken. «Wer schreibt vor, wie ein Mousse au Chocolat zubereitet werden muss?», fragt sich Buff, der im Service als Bindeglied zwischen Küche und Kundschaft eine wichtige Rolle einnimmt. Wichtiger sei doch, beliebte Menüs gut nachzu- machen.

Am Stammtisch gibt's Fondue

Auch wenn heute viele Fleischersatzprodukte auf dem Markt seien, könne man nicht alles vegan nachkochen. «Chalbsläberli zum Beispiel.» Für viele unvorstellbar: Mittlerweile gibt es sogar Rezepte, die erlauben, Käsefondue ohne schlechtes Gewissen zu essen. Ein solches landet mindestens einmal pro Jahr auf den Tischen im Lägernstübli. Dann nämlich, wenn sich die VGS zum veganen Stammtisch in Boppelsen trifft. Rund 50 Leute kommen zusammen, um gemeinsam das Brot in den Topf zu halten. Dazu ein Glas Rotwein aus dem eigenen Dorf natürlich vegan.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 14. Februar 2020, Seite 1 (17 Views)

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