E-Paper - 07. Februar 2020
Unterland Zeitung
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Schulpflege befreit sich von Altlasten

Im Dezember wurde der Schulpflege Bachenbülach das Recht auf Selbstverwaltung entzogen und der Schulberater Peter Wehrli als leitendes Organ eingesetzt.

Die Ersatzwahl des Präsidiums am Sonntag ist ein erster Schritt aus der Krise zurück in die Normalität.

Martina Kleinsorg

Bachenbülach. «Die Wahl des neuen Schulpflegepräsidiums bedeutet den Anfang eines Neubeginns», sagt Peter Wehrli, welcher vom Regierungsrat des Kantons Zürich als leitendes Organ eingesetzt ist. Das Recht auf Selbstverwaltung wurde der Primarschulgemeinde am 18. Dezember 2019 vorübergehend entzogen.

«Das tönt dramatischer als es ist», meint der Schulberater. Politisch sei der Entzug des Selbstverwaltungsrechts zwar ein einschneidender Eingriff, «die Schule selber hat operativ jedoch immer bestens funktioniert, dank Schulleitung und Schulverwaltung, Lehrpersonen und Hausdienst», möchte er betonen. Es habe eine gewisse «Bereinigung» stattgefunden: «Wenn ich die Verantwortung wieder übergebe, können wir befreit von Altlasten in die Zukunft starten.» Juristisch formuliert, funktioniere die Schulpflege dann wieder wie vom Gesetz vorgesehen. «Für die Bevölkerung ist es wichtig, dass sie über ihre Volksvertreter wieder Einfluss auf die Schule hat», ist Wehrli überzeugt.

Nicht allein entscheiden

Egal, wer im zweiten Wahlgang gewinnt, die 52-jährige Lehrerin Marion Heidelberger oder der 41-jährige Unternehmer Ravi Prakash (beide parteilos): Das Amt wird er oder sie erst antreten können, wenn die Funktionsfähigkeit der Behörde wieder gesichert und Ersatz für zwei weitere zurückgetretene Schulpflegemitglieder gefunden und gewählt worden ist, dies voraussichtlich Ende Mai. Wehrli geht davon aus, dass es kein Problem sein wird, geeignete Leute zu finden. «So wie ich Bachenbülach kennengelernt habe, ist man hier sehr politisch unterwegs.» Mit dem zukünftigen Präsidium wird Wehrli schnellstmöglich das Gespräch suchen: «Es kann nicht sein, dass ich jetzt als ‚Gesamtbehörde‘ allein entscheide, ohne mich abzustimmen ich möchte meine Nachfolge entsprechend einbeziehen.» So etwa bei der Umsetzung der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT), für welche die Gemeinde einen Kredit über 450 000 Franken gewährt hat. Oder beim Thema Schulraumplanung: Bei einem Ja zur Fusion der Schulgemeinde mit der politischen Gemeinde gingen die Bereiche Finanzen und Hochbau an Letztere über. «Das bedeutet viel Vorbereitungsarbeit, bevor es in zwei Jahren zur Umsetzung kommt», stellt Peter Wehrli fest.

Erst alte Konflikte lösen

In der Zusammenarbeit zwischen drei neuen und zwei bestehenden Mitgliedern werde man nicht einfach zum Alltag übergehen können, sondern müsse sich der Herausforderung stellen: «Wie schaffen wir es, dass die neue Schulpflege zu einem Team wird und zusammenarbeitet?» Diese Frage will Wehrli mit dem neuen Präsidium diskutieren. «Der Konflikt der Vergangenheit ist nicht riesig, es sind viele einzelne Konfliktfelder, die sich über die letzten eineinhalb Jahre chronifiziert haben aber jedes für sich ist nicht unlösbar.» Als Beispiel nennt Wehrli die notwendige Trennung zwischen strategischen und operativen Entscheiden: «Bis hierhin ist die Schulpflege zuständig, ab da übernimmt die Schulleitung.» Es gelte, klare Zuständigkeiten zu definieren, damit es in Zukunft nicht immer wieder zu Reibereien kommt. «Ich bin zuversichtlich, dass es gelingt.»

Chronologie der Krise

Seit Beginn der Amtsdauer 2018 2022 hatte die Schulpflege Bachenbülach mit erheblichen Problemen bei der internen und der Zusammenarbeit mit der Schulleitung zu kämpfen. Schulpflegepräsident Harry Sprecher reichte aus beruflichen Gründen ein Rücktrittsgesuch ein, worauf ihn der Bezirksrat Bülach im Juni 2019 per Amtsantritt des Nachfolgers entliess.

Co-Schulleiterin Yvonne Wild teilte im Oktober ihre Kündigung wegen Differenzen mit einem Schulpflegemitglied per Ende Februar 2020 mit. Im November trat der Vizepräsident per sofort zurück, ein weiteres Mitglied der Schulpflege per Amtsantritt der Nachfolge. Anfang Dezember liessen sich drei Schulpflegemitglieder krankschreiben.

Von den erforderlichen drei Mitgliedern übte nur noch der Schulpräsident sein Amt aus, was zur Beschlussunfähigkeit der Primarschulpflege führte. Der Regierungsrat entzog deshalb auf Antrag des Bezirksrats Bülach der Primarschulgemeinde Mitte Dezember letzten Jahres das Recht auf Selbstverwaltung und setzte als leitendes Organ Peter Wehrli ein, welcher die Primarschulpflege bereits seit September als externer Berater unterstützt.

Die Massnahme ist zeitlich begrenzt, bis die Nachfolgerinnen und Nachfolger der drei zurückgetretenen Schulpflegemitglieder ihr Amt angetreten haben. Der zweite Wahlgang für das Präsidium findet am Sonntag statt. Die Ersatzwahl zwei weiterer Mitglieder sieht eine stille Wahl Ende März, andernfalls einen ersten Urnengang am 17. Mai vor.

Unterland Zeitung vom Freitag, 7. Februar 2020, Seite 1 (19 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   Februar   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29