E-Paper - 07. Februar 2020
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Eine Fundgrube für Eisenbahnfreaks

«Heinz Lokschuppen» ist für

Modellbahnfans und andere Tüftler ein Begriff: Hier hält der Pensionär und Modelleisenbahnliebhaber Heinz Plattner zusammen mit seinem Geschäftspartner Klaus Leuenberger ein Hobby am Leben. Und das, obwohl die Branche vom Aussterben bedroht ist.

Luca Da Rugna

Rümlang. Seine Begrüssung ist mehr als freundlich: Bei Heinz Plattner spürt man die Begeisterung sofort, wenn ein neues Gesicht das Geschäft betritt. Sein über 100 Quadratmeter grosser Laden an der Glattalstrasse 188 ist von hinten bis vorne mit sogenannten «Loks» gefüllt, sortiert nach Leistungsvermögen oder Seltenheit. Aber auch die nötigen Kleinigkeiten für eine naturgetreue Modelleisenbahnanlage gibt es im Lokschuppen zu kaufen: Modellautos, Bahn- und Wohnhäuschen, Landschaften, analog- und digitalbetriebene Schienen, Wiesen und Hügel.

Dabei ist eine gute Kundenbetreuung Ehrensache für Heinz Plattner. Er bietet gerne mal einen Kaffee an und hält einen kurzen Schwatz, der sich manchmal auch in ein Fachgespräch verwandelt. «Die meisten Leute, die meinen Laden betreten, wissen bereits, wonach sie suchen und kennen sich oft gut aus mit der Materie», sagt Plattner. Es gebe aber auch Besucher, die einfach neugierig seien und sich ein wenig umschauen wollten. «Das macht mir nichts aus, vielleicht überlegt sich ja der eine oder andere, auch in das Hobby einzusteigen», sagt Plattner. Damit wäre für ihn schon viel gewonnen.

Leidenschaft beginnt in jungen Jahren

Der Beginn seiner eigenen Begeisterung für Modelleisenbahnen liegt schon weit zurück. «Ich weiss noch genau, wie ich als Sechsjähriger eine Lok unter dem Christbaum fand», erzählt der heute 69-jährige Rentner. Seither hat ihn diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Noch immer freut es ihn, wenn ein Vater mit seinem Sohn den Laden betritt. «Tradition muss eben weitergereicht werden, und manchmal gelingt es einem Vater auch in diesen digitalen Zeiten, seinen Sohn von einer analog oder mittlerweile auch digital gesteuerten Anlage zu überzeugen.»

Im Jahr 2011 liess sich Plattner frühpensionieren, um seinem Hobby voll und ganz nachzugehen. Nur ein Jahr später kaufte er den heutigen Lokschuppen in Rümlang, zusammen mit einem Partner, der heute nicht mehr dabei ist. Seit Oktober 2015 ist er der alleinige Inhaber. Dabei vergesse er aber nie, dass er es im Alleingang nicht schaffen würde, betont Plattner: «Mein Kumpel Klaus Leuenberger ist für mich und den Laden überlebenswichtig, da er als Elektriker die technische Seite beherrscht.»

Er selber, als ehemaliger Notariatslehrling und Buchhalter, sei in solchen Anliegen eher ungeschickt. «Wenn Klaus da ist, dann bin ich wieder Stift», sagt Plattner mit einem Lächeln. Deshalb sei er eher hinter den Kulissen tätig, kümmere sich um administrative Dinge und um den Wareneinkauf. «Ich bin viel zu nett und zu begeistert, sodass ich oft und gerne einmal zu viel für eine Lok bezahle.»

Für ihn sei vor allem wichtig, dass die Zahlen im schwarzen Bereich liegen, Gewinn zu machen sei hingegen nicht zentral für ihn, da es ein Liebhabergeschäft sei. «Wobei wir sagen können, dass der Januar bereits ein sehr guter Monat war», verrät Plattner, während sein Kollege Klaus Leuenberger bestätigend mit dem Kopf nickt.

Ein Hobby, das viel Zeit frisst

Offiziell ist der Laden von Heinz Plattner von Mittwoch bis Samstag geöffnet. Der Inhaber ist aber auch an seinen sogenannten Ruhetagen oft bei der Arbeit anzutreffen. «Es laufen ja viele Dinge im Hintergrund. Nächsten Montag werde ich zum Beispiel das Inventar durchgehen. Das bedeutet viel Aufwand», sagt Plattner. Müde werde er aber nie, da er seine Leidenschaft zum zweiten Beruf gemacht habe.

Auch Klaus Leuenberger ist mittwochs schon vor der Ladenöffnung um 14 Uhr vor Ort und kümmert sich um Reparaturen oder neu eingetroffene Occasions-Loks. Diese seien nicht immer in bestem Zustand. «Wir haben schon erlebt, dass Kunden eine Lok zur Reparatur brachten und sich herausgestellt hat, dass Katzenhaare im Getriebe steckten», erzählt Plattner.

Kunden kommen von weit her

«Eigentlich gibt der Markt heute mehr her, als er überhaupt schlucken kann», sagt Plattner. Mit anderen Worten: Es gibt nicht mehr so viele Eisenbahnfans und die Produktion ist zu hoch, da sich nicht mehr so viele Abnehmer finden. Trotzdem sei die Modelleisenbahnwelt eine vernetzte Szene, wie Plattner weiss. «Man kennt sich und ein Kenner, der etwas unbedingt will, der reist auch mal durch die halbe Schweiz, um ein bestimmtes Objekt zu ergattern», so der Inhaber. Dennoch laufe aber auch im Lokschuppen das meiste übers Internet. In jeden Fall aber bietet Heinz Plattners Sortiment so ziemlich alles, was sich ein Tüftler nur wünschen kann. Auch das berühmte «Krokodil» von «Merklin» wird in einer extra Vitrine mit speziellen und teuren Modellen präsentiert.

Wichtig ist Heinz Plattner ausserdem der soziale Aspekt seines Hobbys. Deshalb macht er gerne auf seinen Laden aufmerksam. Vor Weihnachten etwa gab es einen Anlass mit Gerstensuppe und jeder und jede konnte reinschauen. «Auf diese Weise entstehen immer wieder neue Bekanntschaften», sagt Plattner. Was ihn im Moment besonders freut, ist die Begeisterung eines 16-jährigen Schülers, der ihn immer wieder im Laden besucht und für seine Maturarbeit eine eigene Eisenbahn zusammenstellt. «Es ist schön zu sehen, dass ein junger Mann wie einst ich von dieser Begeisterung gepackt ist», sagt Plattner voller Freude.

Gesellig wird es im Lokschuppen auch am Samstag, 23. Mai: Dann gibt es einen Hamburgerplausch und zudem spezielle Aktionen. Mehr Infos dazu und zum Lokschuppen finden sich auf www.heinzlokschuppen.ch.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 7. Februar 2020, Seite 3 (10 Views)

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