E-Paper - 07. Februar 2020
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«Um mit Fussball Geld zu verdienen, ist Platzwart für mich die einzige Möglichkeit»

Seit Mai 2007 ist der GC Campus in Niederhasli in den Händen von Ueli Lutz. Als Platzwart ist der 52-Jährige vor allem für die Rasenpflege zuständig, kümmert sich aber auch um den Unterhalt des Gebäudes. Und ist den Spielern dadurch ziemlich nahe.

Ramona Kobe

Niederhasli. Sähen, düngen, spritzen, mähen wenn Ueli Lutz von seinem Beruf erzählt, könnte man glatt meinen, er arbeite als Gärtner. Irgendwie ist er das auch, denn Rasen spielen in seinem Leben eine bedeutende Rolle. Besonders jene, die 105 auf 68 Meter gross sind und dessen Gräser auf exakt 28 Millimeter geschnitten werden. Als Platzwart beim GC Campus in Niederhasli hat der 52-Jährige aber auch noch andere Arbeiten, als sich nur um die Spielfelder zu kümmern. Er ist für den Unterhalt des Gebäudes verantwortlich, übernimmt kleinere Reparaturarbeiten und koordiniert die Reinigung. «Ich bin quasi Hauswart», beschreibt Lutz seine Tätigkeit. «Die Hauptaufgabe besteht aber schon darin, die Rasenplätze zu pflegen.»

Es gibt immer etwas zu tun

Als der gelernte Elektromonteur vor rund 15 Jahren seine erste Stelle als Greenkeeper so lautet die offizielle Bezeichnung antrat, hatte er keine Ahnung, was ihn erwarten würde. «Ich wusste nur, dass Rasen grün ist und er gelegentlich geschnitten werden muss.» Im Stadion Espenmoos in St. Gallen merkte er aber ziemlich schnell, dass es viel Arbeit und Geduld braucht, bis ein Rasen perfekt ist, um darauf Fussball zu spielen. Sprich: tief geschnitten, dicht, eben. Was viele nicht wissen: Auch ein Kunstrasen braucht eine gewisse Aufmerksamkeit. Davon gebe es auf dem Campus zwei, die vor allem in den kalten Jahreszeiten unersetzlich seien. Die Flächen müssen gebürstet und gesaugt werden, einmal pro Monat muss Lutz in die Tiefen, damit das Granulat wieder an die Oberfläche gelangt. Ausserdem muss er den Kunstrasen im Herbst von Ästen und Laub entfernen, im Winter den Schnee pfaden. Immerhin muss der Hettlinger bei diesen keine Linien zeichnen. Dafür spannt er zusammen mit seinem Team bei den Felder mit Naturrasen Schnüre, an denen er mit der Farbmaschine entlangfahren kann so sind sie an der richtigen Stelle und schön gerade.

Dank einer speziellen Zusammensetzung, die umweltschonend ist und den Rasen weiter wachsen lässt, wird die Farbe auch nicht gleich vom ersten Regen weggespült. Dennoch wird einmal pro Woche gemalt, meist am Freitag, damit die Linien für die Spiele am Wochenende gut sichtbar sind. Manchmal auch öfter. «Jeder Tag ist anders. Ich kann nicht am Morgen aufstehen und sagen, welche Arbeiten auf mich zukommen.» Das Wetter könne sich ändern, Trainings würden verschoben. Deshalb sei es wichtig, flexibel zu sein, was dem Greenkeeper sehr gefalle. Ausserdem könne er selbstständig arbeiten, ohne dass ihm jemand «reinschnorrt».

Von Greenkeeper bis Bodyguard

In den fast 13 Jahren, in denen Lutz nun schon Geschäftsführer der GC Campus AG ist, hat er viele spannende, witzige und spezielle Momente erlebt. An einem internationalen Juniorenturnier, das auf dem Campus vor einigen Jahren stattfand, war Xherdan Shaqiri als Special Guest anwesend, um Autogramme zu verteilen. Da schlüpfte Lutz auch kurz in die Rolle eines Bodyguards. «Ich musste ihn fast ein bisschen beschützen, sonst wäre er von der riesigen Menschenmenge gefressen worden.»

Und er hat gleich noch eine Geschichte auf Lager, die mit Profispielern zu tun hat: Als die Nati das erste Mal in Niederhasli trainiert habe, sei er vielen ehemaligen GC-Spielern seit langem wieder einmal begegnet. Yann Sommer zum Beispiel, oder Michael Lang. «Ich dachte, dass die nicht viel mehr als ein ‹Hallo› für mich übrig haben.» Da täuschte er sich. Praktisch alle hätten sich zwei, drei Minuten Zeit genommen, um sich mit ihm zu unterhalten. «Das war kurz vor dem Abstieg. Viele wollten wissen, wie es nun weitergeht. Und auch, wie es mir geht. Das war schön.»

Selbst auch Fussballbegeistert

«Die Jungs sind auch nur Menschen», beschreibt der Platzwart die Beziehung zwischen ihm und den jetzigen GC-Spielern, denen er tagtäglich begegnet und mit denen er ab und zu zusammen am Frühstückstisch sitzt. Deshalb gehöre er schon irgendwie zum Team dazu, bekomme aber nicht viel von internen Angelegenheiten mit. Das interessiere ihn auch gar nicht. «Die haben ihre Probleme zu lösen, ich habe meine eigenen.»

Trotzdem sieht er die Hoppers nicht gerne verlieren, wie dies zuletzt am Freitagabend gegen den FC Vaduz der Fall war. «Ohne Interesse am Fussball kann man diesen Job nicht ausüben», sagt Lutz, der selbst einmal aktiv Fussball spielte. «Allerdings nur in der Amateurliga», witzelt er. Und ergänzt: «Platzwart ist für mich die einzige Möglichkeit, um mit Fussball Geld zu verdienen.»

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 7. Februar 2020, Seite 15 (13 Views)

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