E-Paper - 07. Februar 2020
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Regensdorf setzt auf direkten Kontakt mit Asylsuchenden

Die Betreuungsorganisation der Asylunterkunft in Regensdorf, die Firma ORS, wollte neue Konditionen aushandeln. Die Gemeinde kam daraufhin zum Schluss, dass sie die Betreuung künftig selbst übernimmt.

Sibylle Ratz

Regensdorf. Rund acht Jahre hat die ORS AG die Betreuung der Asylsuchenden und vorläufig aufgenommenen Ausländer und Ausländerinnen in Regensdorf wahrgenommen. Die Firma selbst hat dann den Vertrag mit der Gemeinde Regensdorf Mitte letzten Jahres per 31. Dezember 2019 gekündigt und eine neue Offerte und einen neuen Vertrag vorgelegt.

Früh ansetzen mit Integrationsbemühungen

Das war für den Gemeinderat Regensdorf Anlass, die Organisation des Asylwesens grundsätzlich zu diskutieren. Nach Angaben der Gemeinde wurden die Vor- und Nachteile der Lösungsvarianten In-House-Lösung oder neuer Vertrag mit externer Firma sowie der Kostenvergleich detailliert ausgearbeitet und geprüft. Schliesslich kam die Gemeinde zum Schluss, dass sie sich wieder selbst um das Asylwesen kümmern wolle.

Insbesondere die erhöhte Nähe und Präsenz zum Asylwesen gab den Ausschlag für die In-House-Lösung. Ausserdem verspricht man sich dadurch in Regensdorf auch eine potenziell bessere Betreuung und Integration. Stefan Marty, zuständiger Gemeinderat, sagte: «Man muss sich bewusst sein, dass die Personen, die uns zugeteilt werden, in den meisten Fällen im Land bleiben werden. Da halten wir es für lohnend, gleich von Beginn an nah dran zu sein und die Integration aktiv anzugehen.» Durch die häufigeren Kontrollen werde ausserdem von einer erhöhten Lebensdauer der neuen Asylunterkunft ausgegangen.

Da seit der Änderungskündigung der Leistungsvereinbarung durch die ORS Service AG nur wenig Zeit für die Lösungsfindung übrig war, wurden zeitnah Mitarbeitende gesucht. Ausserdem wurde ein Konzept der Asylfürsorge zur Entscheidungsfindung erstellt. Dieses Konzept wurde dem Gemeinderat vorgelegt. Per Mitte Oktober 2019 wurde durch den Gemeinderat der Entscheid über die definitive Übernahme und Rücknahme der Asylfürsorge in die Verwaltung gefällt. Bereits per Mitte November konnten dann zwei erfahrene Personen, Andrea Meier und Thomas Koch, auf den 1. Januar 2020 angestellt werden.

Enger Kontakt zahlt sich langfristig aus

Die beiden sind vor Ort präsent und für den direkten Kontakt mit den Asylbewerbenden und den vorläufig Aufgenommenen verantwortlich. Meier spricht von vielen positiven Reaktionen: «Es ist ein viel engerer Kontakt als bisher. Wir sind so viel näher und früher dran, wenn etwas ist. Wir können unterstützen und auch bei simplen Dingen unkompliziert helfen. So sind sich einige Bewohner nur schon den Umgang mit einem Kühlschrank schlicht nicht gewohnt.»

Mittlerweile wird ein detailliertes Asylkonzept mit genauen Richtlinien und Handlungsvorgaben ausgearbeitet. Die Kompetenzordnung als Leitlinien und die Hausordnung wurden definiert und werden zum Teil noch angepasst.

Lukas Halter, Leiter Soziales auf der Gemeinde, kann ebenfalls nur von positiven Rückmeldungen berichten. Er erzählt: «Die Menschen waren nur schon berührt davon, dass jemand sie mal gefragt hat Wie geht es dir?. Es ist jetzt nicht mehr nur ein Verwalten, sondern ein wirkliches Vor-Ort-Sein.» Erhöhte Präsenz wirke auf die Betroffenen deeskalierend, da bei Unklarheiten nun während den Büroöffnungszeiten immer jemand zur Verfügung steht.

Die Betroffenen reagierten offen und erfreut über die erhöhte Präsenz. Sie finden es gut, dass vor allem neu jeden Tag von Montag bis Freitag jemand vor Ort ist. Vorher war jeweils nur jemand einen halben Tag pro Woche vor Ort. Für diejenigen, die in einer Ausbildung oder bei einer Arbeit sind, war das teilweise sehr schwierig, sich für ein Gespräch zu organisieren. Vieles musste telefonisch oder schriftlich geklärt werden. Die erhöhte Präsenz bewirke auch einen gewissen Respekt, da nun regelmässig Kontrollen gemacht werden können bezüglich Sauberkeit, Ordnung und Fremdschläfer.

Viele Einzelheiten sind noch am Entstehen

Genaueres lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Aber eindeutig sei, dass die Menschen es sehr schätzen, persönlich «gehört» zu werden, berichtet Bereichsleiterin Andrea Meier: «Die Menschen fühlen sich ernst genommen.» Meier und Koch teilen sich in 190 Stellenprozenten die Tätigkeiten Administration, Beratung, Begleitung und Hausdienst. Andrea Meier legt ihren Hauptfokus auf die Administration, die Beratung und Begleitung der Betroffenen. Thomas Koch ist zuständig für Sauberkeit und Ordnung der Liegenschaft. Zudem unterstützt er die Bereichsleitung in der Fallführung und Integration der Betroffenen.

Im Asylzentrum sind zurzeit rund 60 Personen untergebracht. Etwas mehr als 20 weitere Personen sind in Wohnungen in Regensdorf verteilt, insbesondere weil es im alten Zentrum weniger Platz hatte. Je nach Lebenssituation können die Personen in den Wohnungen bleiben, wenn es Sinn macht. Beispielsweise, wenn sie nur noch kurze Zeit im Asylwesen bleiben. Es werde jeder Einzelfall individuell geprüft.

Die Vernetzung und das Kennenlernen sei noch im Gange, einige Termine wurden bereits abgemacht, wie zum Beispiel die Koordinationssitzung Asylwesen mit dem Verein GmeiNützig, Zeppelin und weiteren Fachstellen.

Die Zusammenarbeit mit den Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen läuft den Berichten der Gemeinde zufolge gut. Die neuen Mitarbeitenden würden die Betroffenen immer besser kennenlernen und verschafften sich einen genauen Überblick. Im Weiteren wird die Vernetzung zu Vereinen, Hilfsorganisationen und Fachstellen aufgegleist. Interne Abläufe müssen definiert und die Büroräumlichkeiten in der Asylanlage «Hardhölzli» fertig eingerichtet werden.

Nach dem ersten Quartal will die Gemeinde eine Evaluation machen, zumindest im finanziellen Bereich. Die Gemeinde rechnet damit, dass die Kosten sich etwa im selben Bereich bewegen, wie vorher mit ORS. Geplant ist auch eine Umfrage der Asylsuchenden, voraussichtlich im zweiten Semester 2020.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 7. Februar 2020, Seite 1 (38 Views)

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