E-Paper - 31. Januar 2020
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Budget 2020 der Kirchgemeinde im zweiten Anlauf knapp angenommen

Noch im Dezember wurde das Budget der katholischen Kirchgemeinde St. Mauritius abgelehnt. Jetzt wurde es an einer erneuten Versammlung knapp angenommen. Die Probleme sind damit aber nicht erledigt.

Sibylle Ratz

Regensdorf. Der Aufmarsch war wieder gross. An die ausserordentliche Versammlung kamen dieses Mal 234 Stimmberechtigte, noch mehr als im Dezember (210) . Damals wurde das von der katholischen Kirchenpflege St. Mauritius vorgelegte Budget abgelehnt.

Die Diskussionen und Anfragen damals nahmen viel Zeit in Anspruch und es wurden emotionsreiche Debatten geführt. Wegen der Ablehnung des Budgets konnte auch der Steuerfuss 2020 nicht festgelegt werden und die Kirche musste sich mit einem Notbudget begnügen. Deshalb war diese Woche eine ausserordentliche Versammlung mit nochmals denselben Traktanden, Budget und Steuerfuss, nötig.

Stellungnahme zu «Gerüchten»

Es brauchte eine ganze Weile, bis genügend Stühle in der Kirche parat standen. Bevor es um die eigentlichen Traktanden der Versammlung ging, sah sich die Kirchenpflege genötigt, zu verschiedenen «Gerüchten», wie sie es selbst nannte, Stellung zu nehmen. Vizepräsidentin Imelda Lösch-Wegmüller übernahm diese Aufgabe. So hielt sie im Namen der Kirchenpflege fest, dass 2019 keine Firmreise für 20 000 Franken finanziert wurde. Eine weitere Aussage, die im Raum stand, war, dass die Kirchenpflege mit 97 000 Franken entschädigt werden solle. Dies treffe nicht zu. Es seien für alle Mitglieder insgesamt 31 000 Franken plus 10 000 Franken für Sitzungsgelder ausbezahlt und budgetiert. Ausserdem hiesse es, es sei den Ministranten eine Reise nach Rom finanziert worden. Das stimme ebenfalls nicht. Es sei lediglich ein eintägiger Ausflug nach Bregenz unternommen worden. Die Aussage, dass ein Notbudget nicht einschränke, stimme nicht. Es habe sehr wohl Auswirkungen vor allem im sozialen Bereich. So könnten aktuell keinerlei Spenden und Unterstützungen ausbezahlt werden. Lösch-Wegmüller verband die Aussagen mit dem Aufruf, dass sich alle ihre eigene, objektive Meinung machen sollten und dass alle Kirchenmitglieder selber zu einem christlichen und respektvollen Miteinander beitragen würden. Bei Fragen und Unsicherheiten würde sich der Kirchenpflegepräsident Giovanni Catania gerne zur Verfügung stellen. Man hoffe auf Verständnis, dass persönliche Angaben zu Löhnen und Anstellungsverhältnisse nicht Diskussionspunkte an einer Kirchgemeindeversammlung sein könnten und sie auch nicht in deren Kompetenz falle, sondern in diejenige der Kirchenpflege. Es würden ausschliesslich Voten zu den traktandierten Geschäften akzeptiert.

Detaillierte Erklärungen

Anschliessend erklärte Gebhard Schumann, Leiter Finanzen, nachvollziehbar das korrigierte Budget. Die wesentlichen Veränderungen gegenüber der ersten Version sahen vor, dass die Gratifikationen für die Mitarbeitenden sowie verschiedene Reserven gestrichen wurden. Im Weiteren sollte auf einen Teil von Neuanschaffungen bei Geräten, Büromöbel und Computer verzichtet werden. Die Familienwallfahrt wurde gestrichen und die Erträge entsprechend angepasst. Die Ausbildungskosten wurden reduziert. Die Kosten für die katholische Spielgruppe wurden ebenfalls nach unten korrigiert. Der Ertragsüberschuss wurde somit von 12 880 auf 64 555 Franken gesteigert. Die Kirchenpflege empfiehlt weiterhin die Beibehaltung des Steuerfusses von 10 Prozent.

Keine Voten zugelassen

Nach der ausführlichen Stellungnahme wollten verschiedene Mitglieder das Wort ergreifen und sich dazu äussern. Kirchenpflegepräsident Giovanni Catania fuhr diese zum Teil heftig an. Alois Vieli, ehemaliger Kirchenpräsident, wollte nach vorne ans Mikrofon, um das Publikum anzusehen beim Sprechen. Das wurde ihm verweigert. Den Verweis, er stelle einen Ordnungsantrag wurde ebenso weggewischt, in dem Catania eine seiner Meinung nach abschliessende Liste der möglichen Ordnungsanträge verlas. Das Sprechen am Mikrofon vorne war nicht in der Auflistung. Mehrere Votanten monierten daraufhin, dass der politische Wille der Gemeinde nicht respektierte würde, wenn nur Fragen zum Budget zugelassen würden. «Wir haben jetzt viele Stellungnahmen der Kirchenpflege gehört. Jetzt möchten auch wir unsere Meinung sagen können», äusserte sich Susanne Dürrmüller aus Buchs. Bereits zu diesem Zeitpunkt kündigten einzelne Mitglieder an, dass sie Rekurs einlegen würden wegen der Versammlungsführung. Als dann noch Franziska Hauser aus Dällikon eine schon öfters gestellte Frage zur katholischen Spielgruppe wiederholte, wurde Catania wütend und meinte, das werde Konsequenzen haben. Hauser fragte nach, ob das jetzt eine Drohung gegen sie sei. Catania bestätigte dies laut und deutlich. Marcel Burlet aus Watt äusserte sich zum Budget, es sei eine Farce, wenn man hier um zwei Prozent des Budgetbetrages herumdiskutiere. Er sei unbelastet an die Versammlung gekommen und habe sich vorgängig die Unterlagen im Pfarreisekretariat angeschaut. Er frage sich aber schon, wieso ausgerechnet Gratifikationen gestrichen würden, wenn man schon hohe Personalwechsel habe. Er kündigte bereits an, er werde Rekurs einlegen wegen der Führung der Versammlung. Ähnlich äusserte sich Karin Joss: «Sie riskieren Einsprachen, wenn Ordnungsanträge und Voten einfach abgeklemmt werden.»

Änderungen am Budget

Schliesslich wurden Anträge gestellt, die Gratifikationen wieder ins Budget zu nehmen und 10 000 Franken statt für externe Berater für die Jugendarbeit einzustellen. Beide Anträge wurden von der Versammlung angenommen. In der Folge gab es noch mehr Kritik für den Kirchenvorstand, aber auch einzelne Voten von Befürwortern des aktuellen Kurses. So liess Catania es zu, dass Barbara Schönbucher, kirchliche Mitarbeiterin für die offen Jugendarbeit, eine längere Stellungnahme abgeben konnte und erst spät darauf hingewiesen wurde, dass nur Fragen zulässig seien. Gegen Ende der Versammlung war es nicht mehr ganz so hitzig. Das Budget wurde mit 116 Ja- zu 102 Nein-Stimmen knapp angenommen. Ebenso der Steuerfuss mit 197 Ja zu 2 Nein. Auf einen Ordnungsantrag auf Nachzählung der Budgetabstimmung wegen dem knappen Resultat wurde nicht mehr eingegangen.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 31. Januar 2020, Seite 1 (50 Views)

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