E-Paper - 24. Januar 2020
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Ein Leben zwischen Reben

Aussergewöhnliche Weine sind die Leidenschaft von Winzer Mathias Bechtel aus Eglisau. Um seine Weinkollektion aufzubauen, arbeitete er früher nebenberuflich in gemieteten Weinkellern. Heute betreibt er an der Rebbergstrasse sein eigenes Weingut.

Désirée Reinke

Eglisau. Reihe um Reihe von Weinstöcken säumt den Weg zur Wirkungsstätte von Mathias Bechtel. Ein Duft von säuerlichen Früchten, holzigen Noten und süssen Aromen füllt die Luft. «Das Sensorische ist die beste Analytik», erklärt der Winzer. «Daher sind Nase, Gaumen und Auge auch die wichtigsten Instrumente, wenn es um die Weinbereitung geht.» Seit zehn Jahren widmet sich Mathias Bechtel dem Keltern aussergewöhnlicher Weine in Eglisau und hat sich damit auch international bereits einen Namen machen können.

Eine Vision vom Wein

«Es ist Hobby, Leidenschaft und Beruf.» Gerade deshalb sehe er sich selbst nicht als Weinmacher, sondern vielmehr als denjenigen, der für die Weinherstellung die optimalen Bedingungen schaffe. «Der Wein entsteht von selbst», betont er. «Ich schaffe nur das nötige Klima.» Jeder Eingriff bedeute schliesslich auch immer, dass der Wein an Volumen und Komplexität verliere. Aber: «Ich habe eine Vision von jedem Wein in meinem Kopf», so Mathias Bechtel. Um diese zu erreichen, gelte es zunächst, an der Basis zu arbeiten, genauer gesagt an den Rebbergen. «Je nachdem, wie ein Rebstock beschnitten wird, verändert sich auch der Ertrag», erklärt der Fachmann. «Ein kleinerer Ertrag bedeutet zum Beispiel, dass die einzelnen Trauben gehaltvoller und intensiver schmecken.»

Im Weinkeller bemühe er sich dann darum, dass die Trauben nichts von ihrer Qualität verlieren. «Die Trauben werden sehr schonend verarbeitet», sagt Bechtel. Je nach Traubensorte und seiner eigenen Vision des fertigen Weines entscheide er dann, ob eine Ruhezeit vor der Gärung oder eine Reifezeit im Fass nötig sei. «Es gibt viele kleine Dinge, die beeinflussen, wie der Wein später schmecken wird», sagt er. «Und mir ist es wichtig, dass ich zu jeder Zeit individuell eingreifen kann.» Seine Weine und die Maische, eine Mischung aus Traubenhaut, Saft und Kernen, überprüfe er daher regelmässig während des Herstellungsprozesses. «Es gibt da kein Schema. Jeder Wein ist ein bisschen anders.» Wesentlich sei nur, dass das Optimum aus jeder Weintraube herausgeholt werde. «Ich bin kein Perfektionist», lacht Bechtel. «Ich bin einerseits ein Riesenchaot mit vielen Ideen und andererseits gnadenlos, wenn es um Qualität geht.»

Kein leichter Weg

Auf seinem eigenen Weingut, auf dem seit Herbst 2019 produziert und verkauft wird, habe er die Infrastruktur komplett auf die Bedürfnisse der Weinherstellung angepasst. «Alles, was mir in den zehn Jahren als Winzer gut gefallen hat, habe ich hier aufgenommen», berichtet der 36-Jährige. Der Weg dahin aber sei nicht immer leicht gewesen. Nach seiner Winzerausbildung und Weiterbildung in Changins (VD) habe er als Kellermeister in Eglisau angefangen zu arbeiten. Nebenbei mietete er den Weinkeller, um an seiner eigenen Weinkollektion zu arbeiten. «Ich hatte nicht einen einzigen Rebstock», erinnert sich der gebürtige Bündner. Daher habe er Trauben von seinen Studienkollegen und Bekannten gekauft und damit experimentiert alles auf eigene Kosten. «Bis ich 2015 in einen anderen Weinkeller gewechselt bin, habe ich mit meinen eigenen Weinen nicht einen Franken verdient.» Den Gewinn habe er nämlich immer direkt in neues Wachstum reinvestiert. Mit Erfolg, denn 2017 übernahm er den Weinkeller, in dem er zuletzt angestellt war, mit samt seiner Reben. Heute ist Mathias Bechtel für 3,6 Hektar Rebfläche zuständig.

An Visionen mangelt es dem Eglisauer aber weiterhin nicht. «Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft die Eglisauer Trauben auch nur vor Ort verarbeitet werden.» Ein Teil werde momentan aus Platzgründen noch andernorts weiterverarbeitet. Der Grundstein zur Erfüllung seiner Zukunftsvision aber sei mit einer vergrösserten Produktionsfläche bei ihm auf dem Weingut nun gelegt. «Das ist erst der Beginn», ist sich der Eglisauer Winzer sicher.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 24. Januar 2020, Seite 18 (19 Views)

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