E-Paper - 24. Januar 2020
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Kolumne von marc jäggi

Ablasshandel

In der Berner Gemeinde Ittigen wird eine öffentliche Treppe unterirdisch elektrisch geheizt. Sinkt das Thermometer auf unter drei Grad, springt die Heizung an und verhindert, dass die Stufen vereisen. Vor zehn Jahren hätte der Senioren- und Rentnerverband Mittelland die Gemeinde Ittigen für diesen zuverlässigen Anti-Rutsch-Service mit dem «Prix Bâton De Marche» ausgezeichnet. Heute erhitzen die eingebauten Drähte nur noch die klima-indoktrinierten Gemüter, fliessen doch Winter für Winter bis zu 10 000 Kilowattstunden Strom durch die sogenannte Gosteli- Treppe. Der Mini-Shitstorm ist perfekt, Ittigen als Umweltsünderin gebrandmarkt. Aber verzage nicht, du arme Gemeinde im Bernbiet. Auch für dich hat der grüne Tetzel den Öko-Ablasshandel erschaffen. Sobald das Geld im CO₂-Kompensations-Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Halleluja! Wo sind die smarten Umwelt-Luthers, -Zwinglis und -Calvins? Wer vertreibt den CO₂-Kompensations-Irrsinn aus der nötigen und richtigen Nachhaltigkeits-Diskussion? Umweltsünden mit Geld an eine Stiftung zu kompensieren, ist wie des Nachbars Haus abfackeln und als Wiedergutmachung der Heilsarmee einen Batzen an den Betrieb der Notschlafstelle zu spenden. Der Ablassprediger Johann Tetzel feierte im Mittelalter mit seinem Geschäftsmodell beachtliche Erfolge. Die Myclimate-Webrechner erzielten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 4,5 Millionen Euro. Eine Steigerung von 177 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sündigen und bezahlen nützt zwar null, ist aber halt auch heute noch bequemer als Verzicht.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 24. Januar 2020, Seite 18 (16 Views)

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