E-Paper - 04. Oktober 2019
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Wie der öffentliche Raum die Gesundheit prägt

Vergangene Woche lud die Suchtprävention Zürcher Unterland zur jährlichen Präventionskonferenz ein. Das Thema dieses Jahr:

Gesundheitsförderung und Prävention im öffentlichen Raum.

Jennifer Zimmermann

Bezirk Dielsdorf. «Heute wollen wir uns für einmal nicht auf Probleme konzentrieren, sondern darauf, Ressourcen zu stärken», eröffnet Sven Anders die Präventionskonferenz in Regensdorf, nachdem er die Gemeinderatsmitglieder und Verwaltungsmitarbeitenden der 44 Gemeinden aus den Bezirken Dielsdorf und Bülach begrüsst hat. Sven Anders ist Fachmitarbeiter und Verantwortlicher des Ressorts Gemeinden der Suchtprävention Zürcher Unterland und führt durch den Abend zum Thema «Gesundheitsförderung und Prävention im öffentlichen Raum». Was dieses Thema denn mit Suchtprävention zu tun habe, fragt er rhetorisch und beantwortet die Frage gleich selbst: Die Lebensqualität von Quartieren sei sehr eng mit der Suchtproblematik verknüpft.

Wie diese Zusammenhänge aussehen, erläutert Sabina Ruff, die Hauptreferentin an diesem Abend. Sie ist Bereichsleiterin soziokulturelle und sozialraumorientierte Stadtentwicklung aus Frauenfeld. Zunächst liefert sie eine Definition zum Begriff des öffentlichen Raumes: «Er ist jederzeit frei zugänglich und gehört allen.» Als gelungenes Beispiel nennt sie den Sechseläutenplatz der Stadt Zürich. Hier kämen Menschen aller Generationen und Schichten zusammen. Klar sei aber auch, dass Konflikte entstünden, wo es öffentliche Räume gebe und diese gelte es zu moderieren.

Das sei es aber allemal wert, denke man doch an die vielen Vorteile, die gelungene öffentliche Räume wie Parks, Gemeinschaftsgärten oder Spielplätze mit sich bringen würden. «Sie sind wirksame Mittel gegen soziale Vereinsamung, körperliche Inaktivität und psychische Erkrankungen», sagt Ruff. Diese Probleme seien nicht zu vernachlässigen, sagt sie und wartet mit Zahlen auf. Gemäss der WHO fühlt sich mehr als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung psychisch beeinträchtigt. Gemäss dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) belaufen sich die direkten Folgekosten von psychischen Erkrankungen, zu denen auch Suchterkrankungen zählen, im Jahr 2015 auf 21,5 Milliarden Franken. Das ist eine Zunahme von 88 Prozent innert zehn Jahren. Weiter führt auch die körperliche Inaktivität, die rund 27 Prozent der Schweizer Bevölkerung betrifft, zu Kosten in der Höhe von 2,5 Milliarden Franken pro Jahr. Gerade diese beiden Einflussfaktoren machen gemäss der WHO 50 Prozent der Einflussmöglichkeiten eines Menschen auf seine Lebenserwartung aus.

Partizipation ist das A und O

«Gesundheitsförderung und Prävention kann in diversen Wirkungsfeldern von der Gemeinde beeinflusst werden», führt Sabina Ruff weiter aus. Freizeit- und Erholungsräume könnten geschaffen werden, die in Gehdistanz erreichbar seien und zudem für alle Generationen gedacht seien, dies gelte gerade auch für Spielplätze.

Sie beschreibt ein Erfolgsprojekt aus Frauenfeld: Ein frei zugänglicher Gemeinschaftsgarten, der von Anwohnerinnen und Anwohnern gemeinsam entwickelt wurde und in Freiwilligenarbeit entstanden ist. Hier kann Nachbarschaft aktiv gebildet werden und die Bedenken der direkten Anwohner im Altersheim wurden spätestens dann ganz beseitigt, als am Eröffnungstag alle gemeinsam essend und trinkend am Feuer sassen und sich austauschten.

Besonders schön findet Sabina Ruff diese Anekdote: «Flüchtlinge aus Afghanistan, die hier gärtnern, haben Samen aus ihrem Land mitgenommen und hier neuen Boden gefunden. Da wächst Gemüse, das habe ich noch nie gesehen.» Damit solche Projekte funktionieren können, sei das A und O, dass man die Bevölkerung in den Planungsprozess miteinbeziehe und früh und transparent kommuniziere. Das Bedürfnis nach gemeinsamen öffentlichen Räumen sei da. «In meiner Arbeit sehe ich ständig, dass Menschen unbedingt Orte im Dorf haben möchten, wo sie sich begegnen können. Sie leiden, wenn es kein Dorflädeli oder Dorfcafé mehr gibt. Gemeindevertreter könnten Rahmenbedingungen schaffen, dass die Menschen zusammenkommen können», sagt Ruff.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 4. Oktober 2019, Seite 9 (11 Views)

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