E-Paper - 04. Oktober 2019
Rümlanger Nachrichten
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Wiese im ganzen Unterland?

Am 22. September fand die Siegerehrung der Zürcher Wiesenmeisterschaft 2019 statt. Die zwölf ökologisch wertvollsten Wiesen, aufgeteilt in vier Kategorien, wurden ausgezeichnet. Aufs Treppchen geschafft hat es auch ein Landwirt aus dem Furttal.

Ramona Kobe

Adlikon. «Natürlich hätte ich mich selbst auf dem ersten Platz gesehen», sagt Daniel Frei mit einem Augenzwinkern, «aber offenbar war meine Wiese nicht vielfältig genug.» Der Landwirt aus Adlikon hat an den Zürcher Wiesenmeisterschaften 2019 in der Kategorie Feuchtwiese den dritten Platz erreicht, wofür er am 22. September ausgezeichnet wurde und ein Preisgeld von 500 Franken erhielt. Auf dem Hof der Familie Hablützel in Dättlikon wurden die ökologisch wertvollsten Wiesen des Zürcher Unterlandes und Weinlandes bei einem traditionellen «Buure Zmorge» gefeiert. In der Kategorie Feuchtwiese wurden insgesamt elf Wiesen angemeldet. Den ersten Platz erreichte Heiri Haupt aus Boppelsen knapp vor Sven Spitznagel aus Weiach.

Wiese braucht richtige Pflege, um nicht zu verbuschen

Zwar freut sich Frei sehr über die Prämierung, allerdings hat er in seinen Augen nicht viel dazu beigetragen. «Es ist die Natur, die gearbeitet hat, nicht ich.» Stimmt nur teilweise, immerhin bewirtschaftet er die Feuchtwiese im Naturschutzgebiet Katzensee seit 30 Jahren. Und scheint dabei vieles richtig gemacht zu haben. Die Fläche von 217 Aren wurde anhand verschiedener botanischer und ökologischer Kriterien von einer Fachjury, bestehend aus Botanikern sowie botanischen und landwirtschaftlichen Experten, bewertet. Struktur und Grösse der Wiese sowie die Vielfalt der Pflanzenarten waren unter anderem entscheidend. Letztere Kategorie kostete Frei womöglich den Sieg. Er erhielt nicht die volle Punktzahl. Welche Pflanzen auf seiner Wiese wachsen, weiss der Landwirt allerdings auch nicht genau. «Das müsste ich selbst nachschauen. Irgendwo sind sie alle aufgelistet», sagt er.

Hingegen ist ihm bewusst, wie wichtig es ist, die Wiese richtig zu pflegen. Eine artgerechte Nutzung sei entscheidend. Wird zu oft geschnitten oder zu stark gedüngt, verschwinden viele Arten. Macht man nichts, verbuscht alles. Mehr und mehr Sträucher überwachsen die Fläche aus Wiese wird Wald.

Dementsprechend hatte die Auszeichnung im Vergleich zu anderen Wettbewerben auch nichts mit Glück zu tun, daran glaubt der Furttaler nicht wirklich. In dieser Meisterschaft sei es nicht ums einmalige Gelingen gegangen, da die Wiese über Jahrzehnte entstanden sei.

Mit Wettbewerb Klarheit schaffen bei der Bevölkerung

Auch wenn es für Frei nicht bis nach ganz vorn gereicht hat, war die Teilnahme für ihn eine Befriedigung. So konnte er den Leuten beweisen, dass es auch ohne Biobetrieb möglich ist, Flächen zu besitzen, die ökologisch sehr wertvoll sind. «Wir Landwirte stehen zum Teil in harter Kritik. Deshalb freut es mich anhand solcher Wettbewerbe zu zeigen, welche Leistungen wir für die Natur erbringen.» Ähnlich sehen die Organisatoren WWF Zürich, Pro Natura Zürich, BirdLife Zürich und die Zürcherische Botanische Gesellschaft die Lage. Mit der Prämierung wollen sie den Bäuerinnen und Bauern danken und Wertschätzung entgegenbringen, die sich um die biologische Vielfalt kümmern. Projektleiter Roman von Sury sagt dazu: «Diese Wiesen sind unsere eigentlichen Schatztruhen der Biodiversität, aber leider grösstenteils verschwunden. Ihre Bewahrung und Förderung ist damit für uns alle von grösster Bedeutung.»

Das dreijährige Projekt endet im Sommer 2020 mit der Prämierung der schönsten Wiesen im Zürcher Oberland mit Greifen- und Pfäffikersee.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 4. Oktober 2019, Seite 3 (25 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   Oktober   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31