E-Paper - 04. Oktober 2019
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«Das Lebensende ist politisch»

Wie kann ich mein Leben selbstbestimmt bis zum Ende leben? Was trägt die SP dazu bei, dass das möglich ist? Diese Fragen diskutierten Nationalratskandidat Jean-Daniel Strub und Nationalrat Thomas Hardegger (Rümlang) anlässlich einer Podiumsveranstaltung im Restaurant Goldener Kopf in Bülach.

Wie Strub ausführte, gehört Selbstbestimmung zu den vier Prinzipien ethischen Handelns. Voraussetzungen für einen mündigen Entscheid sind: Die betroffene Person muss mündig und umfassend informiert sein, über das nötige Wissen verfügen, und das Angebot muss vorhanden sein.

Hardegger und Strub sind sich einig, dass auch die SP für das Angebot zuständig ist. Nur wenn dies allen Menschen zur Verfügung steht, kann eine gute Gesundheitsversorgung für alle gewährleistet werden. Hardegger hält zudem fest, dass ältere Menschen oft als reine Kostenfaktoren diskreditiert werden, die hauptsächlich für die Kostenentwicklung verantwortlich wären. Tatsächlich aber fallen die Kosten in der Regel im letzten halben Lebensjahr an, da kann eine Betagte weit über neunzig sein. Schlagzeilen wie «Wie viel kosten uns die Alten?» greifen die Solidarität an und gefährden die gute Gesundheitsversorgung für alle.

Weiter macht Hardegger deutlich, dass die Aufklärung über eine medizinische Behandlung Voraussetzung für einen mündigen Entscheid ist. Wenn der medizinische Nutzen einer Behandlung feststeht, muss geklärt werden, ob auch der individuelle Nutzen gegeben ist. Der Nutzen einer medizinischen Behandlung ist keine Frage des Alters. Der Nutzen bemisst sich an der Lebensqualität und muss im Verhältnis zu den Risiken des Eingriffs stehen. Ein künstliches Kniegelenk kann beispielsweise einer 80-jährigen Frau mehr Nutzen bringen als einer 60-jährigen. Während erstere immer unterwegs ist, sitzt letztere am liebsten in ihrem Lehnstuhl und liest. Sie kann ihre Kniebeschwerden mit Physiotherapie, Umschlägen, Ruhigstellen und Schmerzmitteln bei guter Lebensqualität in Schach halten, damit vermeidet sie die Risiken einer Operation. Für die 80-Jährige hingegen kann die Lebensqualität mit einem künstlichen Kniegelenk massiv verbessert werden. Sie nimmt die Risiken auf sich, lässt sich ein künstliches Kniegelenk implantieren, kann wieder wandern und ist im Alltag schmerzfrei mobil.

Hardegger weist darauf hin, dass der Mensch das Recht hat, zu entscheiden und der Arzt die Pflicht hat, die Patientin ausführlich und verständlich über die Krankheit, die möglichen Behandlungen, Alternativen und ihre Folgen zu informieren, damit sie an der Therapieentscheidung und dem Therapieverlauf aktiv mitwirken kann.

SP Bezirk Dielsdorf

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 4. Oktober 2019, Seite 11 (24 Views)

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