E-Paper - 27. September 2019
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Auf 20 000 Seelen gab es einen Abgeordneten

Am 20. Oktober stehen die 51. Nationalratswahlen der Schweizer Geschichte an. Die ersten Wahlen 1848 waren eher chaotisch: Es gab kein Wahlgesetz und auch keinen einheitlichen Wahltermin.

Isabelle Seemann

Historischer Rückblick Die Bundesverfassung vom 12. September 1848 sah vor, dass der Nationalrat aus den «Abgeordneten des schweizerischen Volkes» gebildet und «auf je 20 000 Seelen» ein Mitglied gewählt wird. Zudem hatte jeder Kanton oder Halbkanton mindestens ein Mitglied zu stellen. Das ergab 111 Nationalräte sowie 44 Ständeräte (heute sind es 200 sowie 46). Vor der ersten Wahl gab es weder ein Wahlgesetz noch einen einheitlichen Wahltermin. Die Tagsatzung wies die Kantone lediglich an, die Wahlen «sofort vorzunehmen». Die Wahlen wurden, ähnlich wie Gemeindeversammlungen, in Form von Wahlversammlungen vollzogen. Mobilisiert wurden die Stimmberechtigten durch einen Aufruf von der Kanzel, oder ein Beamter zog von Haus zu Haus, um die Versammlung anzukündigen.

Freisinnige mit Mehrheit

In manchen Kantonen fanden diese an einem Mittwoch statt und zwar um elf Uhr morgens. Damit sollte Lohnabhängigen die Teilnahme an der Wahl erschwert werden. In ihnen vermutete man nämlich ein potenzielles Wählerreservoir der Opposition. Darüber hinaus konnte das Stimmrecht bei Nichtbezahlung von Steuern eingeschränkt werden. Das Prozedere, dem es noch an allgemeinen Regeln mangelte, dauerte tagelang. Die Mehrheit der Nationalratssitze eroberten die Freisinnigen. Gleiches galt für den Ständerat, deren Mitglieder allerdings mehrheitlich durch das jeweilige Kantonsparlament gewählt wurden. Am 6. November 1848 trat in Bern die erste Bundesversammlung zusammen. Die 111 Nationalräte konstituierten sich im Casino, die 44 Ständeräte im Rathaus zum Äusseren Stand. Unter den ersten Parlamentariern befanden sich etliche berühmte Namen, wie etwa General Guillaume-Henri Dufour aus Genf als Prototyp der alten Machtelite oder der Zürcher Eisenbahnpionier Alfred Escher als einflussreicher Gestalter der modernen Schweiz, der den Kanton Zürich noch 34 Jahre lang, bis zu seinem Tod, vertrat.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 27. September 2019, Seite 20 (29 Views)

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