E-Paper - 06. September 2019
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Ein Blütenparadies mit Vergangenheit

In ihrem grossen Naturgarten an der Lindenstrasse hat Silvia Aharon ein Refugium für Pflanzen, Tiere und Mensch geschaffen. Als Vorstandsmitglied der Bioterra-Regionalgruppe setzt sie auf rein biologische Massnahmen und pflegt einen entspannten Umgang mit Unkräutern.

Sabine Schneiter

Rümlang. «Mir machen Unkräuter nichts aus, oft wächst etwas Schönes daraus», sagt Silvia Aharon. Sie sitzt unter dem hohen Quittenbaum, in der Mitte ihres grossen Gartens, und lässt den Blick über ein Feld von rosa und weiss blühenden Stauden gleiten. Dennoch ist es kaum zu glauben, dass sich die Rümlangerin alleine um die rund 1000 Quadratmeter kümmert, denn der Garten macht  trotz einem Unkraut hie und da  einen durchaus gepflegten Eindruck. «Wenn man immer dran ist, ist es nicht so viel Arbeit», sagt die 69-Jährige bescheiden, «und wenn es mal nicht reicht, dann ist es eben so».

Für die Tiere und Pflanzen, die sich in ihrem Garten wohl fühlen sollen, ist das ohnehin ein Vorteil, dessen ist sich die Gartenbesitzerin bewusst. Denn ihr ist wichtig, dass der Garten auch wertvollen Lebensraum bietet. So freut sie sich, wenn Igel einen Unterschlupf finden, wenn die Blaumeisen nisten und sogar wenn Wespen und Hornissen im grossen Schuppen neben dem Wohnhaus ihre Nester bauen. «Das stört hier keinen», sagt Aharon.

Pflanzengifte und Insektizide kommen deshalb nicht zum Einsatz. Ausser vielleicht einmal ein paar Schneckenkörner, wie Aharon einräumt. Denn wenn die vorgetriebenen Dahlien oder sämtliche Salatsetzlinge zum wiederholten Mal den Schnecken zum Opfer fallen, hört auch bei ihr die Tierliebe auf. Doch dies sei die Ausnahme. Mit Besorgnis stellt Aharon hingegen fest, dass Insekten und Spinnen seltener werden im Garten. Früher, als sie ein Kind war, habe man die Maikäfer von den Bäumen schütteln und sie den Bauern für ein Taschengeld abliefern können. «Jetzt sieht man keine mehr», stellt die Rümlangerin fest. «Das macht einem Angst, deshalb möchte ich kein Gift brauchen.»

Engagement für natürliche Gärten

Eine Blechplakette von Bioterra, der Organisation für Bio- und Naturgarten, macht auf diese Einstellung aufmerksam. Sie hängt am alten Holzschuppen und zeichnet den Garten als «biologisch und naturnah» aus. Wer eine solche Tafel anbringt, verpflichtet sich, auf Torf zu verzichten sowie auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide. Aharons Engagement geht aber noch weiter: Als Vorstandsmitglied der Bioterra Regionalgruppe Zürcher Unterland hilft sie mit bei der Organisation von Anlässen in der Region. Dazu gehören ein jährlicher Kurs, in dem die Grundlagen des biologischen Gärtnerns vermittelt werden, und im Herbst der Pflanzentausch, den die Rümlangerin im eigenen Garten durchführt. Schon jetzt hat sie einige Stauden im Kopf, die sie an diesem Anlass Ende Monat zur Verfügung stellen möchte: «Das tut mir nicht weh, das merke ich nicht einmal», sagt sie. Nicht auszuschliessen, dass im Gegenzug ein paar neue Pflänzchen den Weg in ihren Garten finden.

Seinen Charme aber bezieht Silvia Aharons Garten nicht zuletzt aus den alten Obstbäumen und dem grossen Schuppen aus verwittertem Holz, der fast vollständig von Wildem Wein überwachsen ist. Diese Elemente sind Zeugen der Vergangenheit und erinnern die Besitzerin an ihre Familiengeschichte. Denn der Garten wurde von ihrem Grossvater angelegt und später von ihrem Vater gehegt und gepflegt. «Ich freue mich immer wieder, wenn ich in einen Apfel beissen kann von einem Baum, den mein Vater gepflanzt hat.»

Seit Aharon den Garten vor knapp 30 Jahren übernommen hat, hat er sich allerdings stark gewandelt. «Früher bestand praktisch die gesamte Fläche aus Gemüsebeeten, wir waren quasi Selbstversorger», erzählt sie. Nach und nach hat sie alles umgestaltet, anstelle der nüchternen Beete prägen hohe Blütenstauden das heutige Erscheinungsbild. Auch ein Teich und lauschige Ecken mit Sitzgelegenheiten sind hinzugekommen. Gemüse hingegen pflanzt Aharon nur noch wenig an, zuhinterst ist dafür ein Bereich reserviert. Doch dieses Jahr habe sie ohnehin kein Glück gehabt damit, zunächst die Schnecken, dann der Hagel: «Viel ist nicht übrig geblieben, und jetzt lasse ich es einfach und schaue, was noch kommt.»

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 6. September 2019, Seite 9 (20 Views)

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