E-Paper - 09. August 2019
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Lägern Hochwacht

erstrahlt bald in neuem Glanz

Schon seit vier Jahren läuft die Planungs- und Bauzeit der Lägern Hochwacht. Der historische Bau wird in

seinen Grundzügen erhalten, nachhaltig energetisch

saniert und soll noch Ende dieses Jahres wiedereröffnet werden.

Jennifer Zimmermann

Lägern. In den Grundmauern des Turms nisten noch die Bachstelzen, grosse Ballen mit Isolationsmaterial aus Schafwolle stapeln sich bis an die Decke und die Sandschleifmaschinen surren. Auf der Hochwacht, die 850 Meter über Meer auf der Lägern thront, sind die Bauarbeiten in vollem Gang. Das Bergrestaurant auf dem Lägerngrat soll Ende Jahr wiedereröffnet werden, nachdem es im August 2016 zugemacht hatte. Gemäss dem Zürcher Architekten Johannes Leibundgut, der die Pläne für den Umbau entworfen hat, steht dem nichts mehr im Weg. Da das Gesetz im Kanton Zürich keine Berganlage vorsieht und die Hochwacht ausserhalb der Bauzone liegt, sei der Umbau in vielerlei Hinsicht nicht einfach. Schnell war aber klar, dass man am Ursprünglichen festhalten und diese einmalige Chance ergreifen wolle. Das gesamte Gebäudevolumen mit dem Restaurant und der Wirtewohnung, dem Stall für Kleintierhaltung und der Waldschenke bleibt beim Umbau erhalten und wird entsprechend seiner ursprünglichen Nutzung saniert.

Turm wieder im Mittelpunkt

1865 entstand auf der Hochwacht die erste Waldschenke. 1895 erbaute Fritz Hofer dann das Gasthaus «Zur hohen Wacht» und benutzte dabei als Hobbyarchäologe für den Turmbau Steine von der Burgruine Alt-Lägern. «Von Anfang an war klar, dass der Kernbau mit dem Turm im Mittelpunkt stehen soll», sagt Johannes Leibundgut, der durch die Baustelle führt. Im Verlauf der Jahre sei um den Turm herum immer mehr angebaut worden, was ein Gesamtkonzept habe vermissen lassen. Vor allem die Warenseilbahn, die Ende der 1920er gebaut worden war und den Kernbau umschloss, habe die Symmetrie des klassizistischen Kernbaus zerstört. Um den Turm wieder in den Vordergrund zu rücken, wurde dieses Volumen ersatzlos rückgebaut. «Nun ist der Turm wieder als Ganzes in seiner ursprünglichen Silhouette erlebbar», erklärt Leibundgut. Während der Sanierung des Kernbaus im vergangenen Jahr merkte man, dass die Bruchsteinmauer in einem sehr schlechten baulichen Zustand war. Dies führte letzten Sommer zu einem fast halbjährigen Baustopp. Die Mauern wurden daraufhin während drei Monaten in traditioneller Manier mit Kalkmörtel und Lägernsandkalkstein saniert.

Neue Raumaufteilung

Im Erdgeschoss liegen die Küche mit Warenlift zu den Lagerräumen im Untergeschoss, ein grosser Saal und eine rollstuhlgängige Toilette. Der Eigentümerin Sibylle Hauser, die das Grundstück 2014 erworben hat, ist es ein grosses Anliegen, dass auch ältere Menschen den Ort wieder geniessen können. Ebenfalls im Erdgeschoss liegt die nach dem Erbauer Fritz Hofer benannte Hoferstube. Sie wird neu wieder für die Gäste offen sein. Der Kachelofen, dessen Sockel die Inschrift 1895 trägt, wird originalgetreu mit grünen Kacheln wiederaufgebaut und die Wände des Raums werden mit Täfer aus Fichtenholz verkleidet.

Neben der Hoferstube, im hinteren Teil des Hauses, wo sich früher die private Küche des Wirts befand, liegt die Wehntalerstube. Diese wird neu als Gaststube genutzt werden und bietet eine Aussicht ins Wehntal und bis in den Schwarzwald. Eine Besonderheit der Wehntalerstube, die genau auf dem Grat verläuft: Ein Streifen gehört zur Gemeinde Schleinikon und hatte früher eine spätere Sperrstunde als die Gemeinde Boppelsen. «In dieser Ecke trank man dann sein letztes Bier», erzählt Sibylle Hauser lachend. Im Obergeschoss des Turms entsteht eine grosszügige Wirtewohnung mit ausgebautem Dachstock, wo früher die Räucherkammer war und vierseitigem Ausblick in den Schwarzwald und bis in die Alpen. Neu wird auch ein privater Balkon gebaut. «Es ist mir wichtig, dass die Wirte einen Rückzugsort haben», sagt Hauser. Schliesslich bestehe für die Pächter Wohnsitzpflicht.

Neues Energiekonzept

Nicht nur bei der Raumeinteilung hat sich einiges geändert, sondern auch in Sachen Energieversorgung. «Früher trugen die Gäste Holz hoch und bekamen dafür im Gegenzug ein Bier», erzählt Sibylle Hauser. Diese alte Tradition sowie die späteren Heizöllieferungen mit dem Lastwagen werden nicht mehr nötig sein. Auf dem gesamten Dach des Restaurants werden neu Solaranlagen angebracht, welche das Wasser in den installierten Leitungen auf dem Dach aufheizen. Dieses fliesst dann unterirdisch in einen 80 Meter entfernten Militärbunker, wo die Wärme gespeichert wird und für Heizung und Warmwasser gebraucht werden kann. Die Dächer der Waldschenke und des Stalls werden zudem mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet, die für Strom sorgt.

Pächter oder Pächterin gesucht

Bisher haben sich fünf Interessierte für die Pacht beworben. Entschieden sei aber noch nichts, sagt die Kommunikationsverantwortliche Franziska Arnold, die auch für die Pächtersuche verantwortlich ist. «Man kann sich noch bewerben. Ideal wäre, wenn die zukünftigen Pächter auch die Land- und Forstwirtschaft mitbetreiben», sagt sie. Zum Gasthaus mit 86 Innenplätzen und 165 Gartenplätzen gehören nämlich ebenso eine Scheune und ein Stall für Kleintierhaltung, 30 Ar Wiese und 5 Hektar Wald. Sibylle Hauser freut sich bereits darauf, wenn die Hochwacht Ende Jahr wieder erstrahlt und mit ihr freuen sich die Gäste. Auch wenn das genaue Datum für die Wiedereröffnung noch nicht steht, hat Hauser bereits Reservationen für Weihnachten entgegengenommen.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 9. August 2019, Seite 1 (45 Views)

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