E-Paper - 02. August 2019
Rümlanger Nachrichten
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Lokaler Hagelsturm

vernichtet Obst und Gemüse

Der Hagel von Anfang Juli hat in vielen Rümlanger Kulturen ein Bild der Zerstörung hinterlassen. Die Landwirte verzeichnen grosse Schäden — bis hin zum Totalausfall.

Sabine Schneiter

Rümlang. Mit geübten Handgriffen pflückt Martin Meier ein paar Zwetschgen von den Bäumen und lässt sie ins Gras fallen. «Die meisten sind nicht mehr zu retten», sagt er. Dann behält er eine blaue Frucht in der Hand: Die Oberfläche ist bucklig und unregelmässig, eine braun verfärbte Wunde klafft in der Haut. Mit dem Taschenmesser öffnet Meier die Frucht: Auch im Inneren zeigen sich braune Flecken. «Lässt man diese reifen, dann fangen sie an zu faulen. Man kann sie nicht einmal mehr zum Brennen verwenden», erklärt der Landwirt vom Tempelhof.

Ein ansehnlicher Teil von Meiers Äpfeln und Zwetschgen sind dem Hagelsturm, der Anfang Juli über Rümlang hinweg gezogen ist, zum Opfer gefallen. Bei jenen Kulturen, die nicht durch Hagelnetze geschützt sind, spricht der Bio-Landwirt fast von einem «Totalausfall». Zwar hat er seine Obstkulturen versichert gegen Hagelschaden, doch die zusätzliche Arbeit und den Selbstbehalt von 30 Prozent muss er selber tragen.

55 Meldungen aus der Region

Während viele andere Gemeinden des Unterlands verschont blieben, hat der Hagel in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli, gegen halb 2 in der Früh, so manchen Rümlanger aus dem Schlaf gerissen. Auf den Feldern und in den Obstkulturen haben die bis zu drei Zentimeter grossen Eisklumpen ein Bild der Verwüstung hinterlassen, und auch so manchem Gartenbesitzer kam das Augenwasser beim Rundgang am nächsten Morgen.

Doch nicht nur Rümlang war betroffen: An mehreren Orten in der Schweiz ist nach den vorangegangenen heissen Temperaturen Hagel niedergegangen. Im Zürcher Unterland waren insbesondere die Gemeinden Regensdorf-Watt, Dietlikon und Rümlang betroffen, wie Esther Böhler von der Schweizer Hagel-Versicherung mitteilt.

Insgesamt seien aus der Region Unterland 55 Schadensmeldungen eingegangen, die geschätzte Schadenssumme belaufe sich auf rund eine halbe Millionen Franken. Aussergewöhnlich sei dies aber nicht, sagt Böhler weiter. «Um diese Jahreszeit ist es üblich, dass es im Mittelland mittlere bis grössere Hagelereignisse gibt.»

Totalausfall beim Salat

Aus Rümlanger Sicht sind sich die befragten Bauern jedoch einig, dass ein ähnlich heftiger Hagel schon länger zurückliegt. «Ein bisschen Graupel gibt es fast jedes Jahr, doch das jetzt war immens», sagt Peter Meier vom Hof Breitenstein. Besonders die Kartoffeln haben bei ihm gelitten, aber auch dem Weizen und den Zuckerrüben haben die Hagelkörner zugesetzt. «Das Ausmass des Schadens wird sich erst bei der Ernte zeigen, dann sieht man, wie sehr die Qualität tatsächlich gelitten hat», sagt Meier.

Unmittelbare Einbussen hat der Däniker Gemüsebauer Urs Amacher zu beklagen. Während er im Furttal nichts gemerkt hat vom Hagel, wurde das Gemüse auf den Feldern, die er in Rümlang bewirtschaftet, stark in Mitleidenschaft gezogen. Auf einer Hektare musste er einen Totalausfall hinnehmen, auf zwei weiteren eine Einbusse von 50 Prozent. «Vor allem beim Salat, der schon fertig gewachsen war, hatte ich einen Totalausfall», sagt Amacher. «Die Zwiebeln und die Kartoffeln haben sich zum Glück einigermassen erholt.» Bei den Salaten jedoch bleibe ihm nichts anderes übrig, als das zerstörte Gemüse unterzupflügen.

Glimpflicher ist der Obstbauer Michael Gujer im Rümlanger Weiler Bärenbohl davongekommen. Der Ernteausfall beschränkt sich bei ihm auf die Sauerkirschen und allenfalls die Quitten, fast alles andere Äpfel, Birnen, Steinobst und Beeren hat er durch Netze geschützt. «In den 90er Jahren hat es katastrophal viel gehagelt», erinnert sich Gujer. «Jetzt haben wir viele Jahre Glück gehabt. Doch nun hat die Natur wieder einmal gezeigt, dass sie da ist.»

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 2. August 2019, Seite 1 (43 Views)

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