E-Paper - 26. April 2019
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Mit Drohnen Rehkitze retten

Junge Rehe sind in den nächsten Wochen in Wiesen und auf Feldern anzutreffen. Damit es zu keinem Gemetzel bei der Bewirtschaftung mit Landwirtschaftsmaschinen kommt, werden neu auch Drohnen eingesetzt.

Sibylle Ratz

Boppelsen. Es ist Frühling. Das spüren wir Menschen, insbesondere aber auch die Tiere. Es ist die Zeit, in der die Rehe ihre Jungen «setzen», genauer gesagt, sie suchen oft einen Platz inmitten von hohem Gras oder in Feldern, um sie so instinktiv bestmöglichst zu schützen. in den ersten drei bis sechs Wochen haben Rehkitze in der Regel noch kein Fluchtverhalten. Da sie in dieser Zeit auch noch keinen Eigengeruch haben, sind sie so vermeintlich gut aufgehoben. Wäre da nicht der Mensch.

Zivilisation und Wildnis nahe beieinander

Die Rehe sind im Furttal nämlich nahe an der Zivilisation und somit auch nahe an landwirtschaftlich genutzten Flächen. Und die Bewirtschaftung der Flächen mit Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen überschneidet sich mit der Setzzeit der Rehe. Viele Bauern sind vor dem Maschineneinsatz die Felder und Wiesen zu Fuss abgelaufen, um nachzuschauen, ob sich vielleicht ein Reh versteckt hat. Das braucht viel Zeit und viele Personen. Mittlerweile hilft hier aber auch der Einsatz von Drohnen. Jon Cantieni ist Mitglied der Rehkitzrettung Schweiz, Gebietsverantwortlicher des Kantons Zürich. Die Rehkitzrettung mit Thermalkamera und sogenanntem «Multikopter» in der Luft ist die sicherste Methode um Rehkitze vor Mähmaschinen zu retten. In den letzten Jahren konnten so in der Schweiz bereits über 394 Rehkitze gerettet werden. Jon Cantieni ist seit 2012 Drohnenpilot und auch Ausbildner im Verein Rehkitzrettung Schweiz. Sein Kollege Marcel Graf, den er mit seinem Hobby angesteckt hat, ist seit 2015 mit dabei. Seit etwa zwei Jahren leisten die beiden im Furttal Hilfe beim Aufspüren von Rehkitzen.

Guter Kontakt mit den Landwirten von Boppelsen

Mit den Bauern und der Jagdgesellschaft Boppelsen besteht ein guter Kontakt. So hofft Cantieni, dass sie auch in diesem Jahr möglichst viele Rehkitze retten können. Die Zusammenarbeit mit dem Revier-Jagdpächter Bernhard Koch ist bestens, wie alle drei versichern. So haben sich alle die Zeit genommen, die Suche mit der Drohne zu demonstrieren. Auch der Enkel von Bernhard Koch, Cédric (11), ist an diesem Morgen mitgekommen. Die Suche muss jeweils frühmorgens vorgenommen werden, weil dann die Wärmesuche am besten funktioniert, der Boden noch kalt ist und das «Wärmeobjekt», bei der Demonstration heute ein Karnister mit heissem Wasser, wärmer als die Umgebung. Die Drohne fliegt über das Gebiet «im Loch» am Rande von Boppelsen. Bernhard Koch zeigt auch die Stecken, die bisher verwendet wurden, um zu markieren, wo ein Rehkitz im Gras gefunden wurde.

Bei einem echten Einsatz würden die Retter das Reh möglichst ohne direkten Körperkontakt, also mit Handschuhen und wenn möglich in einer Kiste gesichert, aus der Wiese oder dem Feld heraustransportieren. Nach dem Mähen werden die Kitze wieder freigelassen. Es ist nämlich auch schon vorgekommen, dass zwar ein Kitz aus der Wiese geholt, aber dann von einem Fuchs geschnappt wurde.

«Die Landwirte sind vom Gesetz her verpflichtet, die Rehkitze zu schützen. Wir helfen den Bauern kostenlos und machen das gerne. Die Einsätze beschränken sich auf wenige Wochen im Jahr. Das grössere Problem ist, dass alle am gleichen Tag mähen möchten und uns zur gleichen Zeit anfordern», sagt Cantieni.

Leiden mit den Drohnenflügen verhindern

Jährlich sterben oder verletzen sich, alleine in der Schweiz, mehr als 1 500 Rehkitze anlässlich der Mahd in den Monaten Mai bis Juli. Dieses Leiden kann durch die Suche mit Drohnen frühmorgens aus der Luft verhindert werden. Kontrollflüge werden jeweils auch abends gemacht. Wegen der Sonneneinstrahlung wird das Auffinden der Kitze nach 8 Uhr früh fast unmöglich. Das Gebiet wird systematisch abgeflogen und gefundene Rehkitze werden durch die Jäger an den sicheren Waldrand gebracht. Diese Methode hat laut Cantieni und Koch einen hundertprozentigen Erfolg.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 26. April 2019, Seite 1 (56 Views)

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