E-Paper - 22. Februar 2019
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«Bei uns gibts keinen Esszwang»

Zwischen 60 und 75 Kinder essen täglich im Hort der Primarschule. Der «Rümlanger» hat den Mittagstisch vor den Ferien besucht.

Sabine Schneiter

Rümlang. Um halb 12 herrscht Ruhe im Hort der Primarschule Rümlang es ist die Ruhe vor dem grossen Ansturm. Auf den Tischen stehen Rollen mit Haushaltpapier bereit und die letzten Krüge mit Wasser und Tee werden verteilt. Dann fährt ein Auto vor, zwei grosse gelbe Kunststoffboxen werden auf Rollis ins Haus gefahren und sofort an den Strom angeschlossen, damit das Essen auch schön warm bleibt, bis die Mittagsgäste eintreffen. Hort-Mitarbeiter Lorenz Lindner öffnet eine Box und schaut in die mit Essen gefüllten Stahlschalen: Reis, Hackbällchen in Tomatensauce, Brokkoli. Dazu wie immer drei Sorten Salat: Rüebli, Blattsalat und Randen.

Kurz nach 12 Uhr trudeln die ersten Kinder ein. Sie werden von den Hortmitarbeiterinnen und -mitarbeitern herzlich begrüsst, bevor sie in der Garderobe im Untergeschoss verschwinden und danach ihren Gruppenraum aufsuchen.

Bei den «Tigern», wie sich die Gruppe der 1. und 2. Klässler nennt, erklingt schon lautes Stimmengewirr. Eifrig wird beratschlagt, wer mit wem am Tisch sitzen will, soll oder darf. «Wir machen einen Mädchentisch», beschliessen die Zweitklässlerinnen Mia, Rita, Safiya und Georgette. «Was gibts? Was gibts?», ruft eine andere Schülerin aufgeregt dazwischen. «Ich sags euch gleich», beschwichtigt Lorenz Lindner, der die Tiger an diesem Mittag betreut. Bevor er das Buffet eröffnet, wartet der Betreuer, bis eine ansehnliche Gruppe von Kindern zusammengekommen ist. Dann kündigt er das Menu an, damit alle wissen, was auf ihrem Teller landen wird. «Das machen wir immer so», erklärt Lindner, «denn viele wissen zum Beispiel nicht, wie ein Eisbergsalat aussieht.»

Der Reihe nach stellen sich die jungen Mittagsgäste nun ans Buffet. «Sie dürfen selber schöpfen, und zwar soviel sie wollen», sagt Lindner. Dennoch hat der Betreuer ein wachsames Auge auf die Kinder und greift ein, falls jemand Mühe hat, Mass zu halten.

Was sich die Schülerinnen und Schüler auf den Teller laden, ist ihnen überlassen, die einzige Regel lautet: Jeder muss sich etwas Gesundes nehmen, sprich ein Stück Salat. Das kann, wie bei manchen, auch bloss ein Faden geriebenen Rüeblisalats sein. Und was damit geschieht, ist ebenfalls Sache jedes Einzelnen: «Probieren müssen sie nicht, wir haben keinen Esszwang», sagt Lindner.

Selber schöpfen macht Spass.

Hortleiterin Franziska Ouf ist sich bewusst, dass nicht jeder Hort so viel Selbstbestimmung zulässt. «An manchen Orten herrscht Esszwang und die Kinder müssen sitzen bleiben, bis sie aufgegessen haben», sagt sie. Gemeinsam mit der Schulpflege und dem Team habe man für Rümlang eigene Richtlinien erarbeitet. «Wenn die Kinder selber bestimmen können, was sie essen, sind sie auch eher motiviert, etwas Neues zu probieren», ist Ouf überzeugt. «Und dass sie selber schöpfen dürfen, bereitet ihnen Spass. Sie lernen abzuschätzen, wie viel sie essen mögen. Ausserdem wird die Feinmotorik geschult.»

Während am «Mädchentisch», dem sich nun auch noch Leandro anschliessen durfte, fleissig gegessen und geplaudert wird, und die ersten bereits vor einem leeren Teller sitzen, führt Lorenz Lindner auf der anderen Seite des Raumes eine Diskussion darüber, warum an diesem Tag kein Ketchup gereicht werde. Zwar habe man kein Ketchup-Verbot, erklärt Lindner später, und wenn es einmal Pommes-Frites gebe, dann gehöre das natürlich dazu. Doch das heutige Menu enthalte ja bereits eine Sauce.

Fortsetzung auf Seite 9

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 22. Februar 2019, Seite 1 (36 Views)

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