E-Paper - 08. Februar 2019
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Tanzende Bienen haben viel zu erzählen

Wie Bienen kommunizieren

und sich von besonders gutem Nahrungsangebot berichten, war Gegenstand eines spannenden Vortrags im Gemeindehaus

Rümlang. Im Zentrum stand der Wissenschaftler Karl von Frisch, der das Verhalten der emsigen

Insekten intensiv erforscht hat.

Malini Gloor

Rümlang. Rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer jeden Alters waren Ende Januar ins Gemeindehaus gekommen, um den Vortrag von Hans-Ulrich Thomas, Mitglied der Entomologischen Gesellschaft Zürich, mitzuerleben. Eingeladen hatte der Verein Natur und Umwelt Rümlang, kurz NUR, zusammen mit der Kommission Naturförderung der Gemeinde. Dabei bekam das Publikum einen Einblick in das Leben und Werk des Wiener Forschers Karl von Frisch, der von 1886 bis 1982 lebte und 30 bis 40 Jahre lang das Verhalten und die Kommunikation der Honigbienen erforschte.

Von Frisch hat herausgefunden, dass Bienen einen Tanz aufführen, um sich ihren Bienenkolleginnen mitzuteilen. «Beim Bienentanz schwänzelt eine Biene, die in die Wabe zurückgekehrt ist, in zwei verschiedenen Tanzarten, dem Rundtanz und dem Schwänzeltanz. Diese dauern von rund einer Minute bis zu einer Stunde. Je länger die Biene tanzt, desto besser ist das Nektar-Angebot, welches sie gefunden hat», erklärte der Referent. Bei Tanzunterbrüchen füttert die Biene zudem ihre Artgenossinnen mit dem gesammelten Nektar.

Für die Entdeckung dieser im Tierreich einzigartigen Art von Kommunikation erhielt Karl von Frisch 1973 den Nobelpreis für Physiologie, zusammen mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen.

Spannend, witzig und kurzweilig

«Karl von Frisch: ‹Der Hacker› des Kommunikationssystems der Bienen», so lautete der Titel des Vortrags von Hans-Ulrich Thomas. «Mit diesem Titel wollte ich die Leute hinter dem Ofen hervorholen. Eigentlich sollte der Vortrag aber ‹Die fliegenden Nobelpreisträgerinnen› heissen», denn Bienen seien mit ihrem kubikmillimeterkleinen Gehirn sehr intelligent.

Als es im Raum plötzlich dunkel wurde, weil die Lichtanlage verrückt spielte, fand der Referent augenzwinkernd, hier werde wohl Strom gespart. Im Hellen ging der Vortrag weiter, und man kam wiederholt in den Genuss des humorvollen Erzählens von Hans-Ulrich Thomas, was den Vortrag nicht nur spannend, sondern auch witzig und kurzweilig machte.

Bienen erkennen Farben

So erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer auch, dass Karl von Frisch zuerst Medizin und dann Zoologie studiert hatte und seine Bienenforschungen im Jahr 1912 begonnen hatte. Dabei stellte er fest, dass Bienen Farben sehen können ausser Rot, das sie mit Grau verwechseln. Hingegen können sie ultraviolette Farben erkennen. 1919 fand er heraus, dass bei Bienen der Geruchssinn über die Antennen am Kopf funktioniert und jeder Teil einer Pflanze einen anderen Geruch hat.

In einem Film von 1920 zeigte Karl von Frisch, wie Bienen anhand ihres Geruchssinns immer in die richtige Schachtel mit einem Duftstoff fliegen, während die neutralen Schachteln unbeachtet bleiben.

1944 fand der umtriebige Forscher, der unablässig Ergebnisse publizierte, heraus, dass die tanzende Biene durch das Tanztempo eine Distanzangabe zum guten Sammelgebiet macht. Dabei finden Bienen eine Futterstelle bis zu mehreren Kilometern entfernt und sei es nur ein einzelner Baum.

Bedrohung durch Pestizide

Hans-Ulrich Thomas machte auch auf ein aktuelles Thema in Zusammenhang mit den Bienen aufmerksam: «Neonicotinoide, ein Bestandteil von Pestiziden, zu denen auch Glyphosat gehört, sind ein riesiges Problem: Sie schädigen das Gehirn der Bienen, machen sie orientierungslos und lassen sie den Weg zu ihrem Bienenstock nicht mehr finden.» Das Frischgedächtnis wird gestört, und dadurch stürzen die Bienen ab und sterben. Um diesen Nachweis zu erbringen, werden Bienen mit einer kleinen Antenne ausgerüstet und lassen sich nun mit einem Radargerät verfolgen.

Interesse für Bienen verstärkt

Der Vortrag kam sehr gut an beim Publikum und beim anschliessenden Apéro bot sich Gelegenheit, unter Imkern und Nichtimkern über Bienen und ihr Verhalten zu diskutieren. Besucherin Trudy Krähenbühl fand das Referat «sehr schön und interessant», sie habe Distanz verloren zu diesen Tieren und ihr Interesse für Bienen sei durch die neuen Informationen grösser geworden.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 8. Februar 2019, Seite 7 (20 Views)

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