E-Paper - 08. Februar 2019
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Eltern zwischen Macht und Ohnmacht

Wenn Kinder nicht machen, was Eltern von ihnen erwarten und mit Widerstand reagieren, ist Geduld gefragt. Die Kinder- und Jugendhilfezentren der Bezirke Dielsdorf und Bülach berichten

aus dem Erziehungsalltag.

Region. «Jetzt tüend Sie doch nüd so blöd!» Würde einen der Chef oder die Chefin derart anherrschen, wie würde man sich wohl fühlen? Heruntergeputzt und nicht ernst genommen. Und vermutlich wären Motivation und Kooperationsbereitschaft im Keller.

Kinder erhalten jedoch häufig solche Ermahnungen oder Vorwürfe, wenn sie nicht tun, was Erwachsene von ihnen erwarten. Vielleicht steckt eine Angst dahinter: «Man muss dem Kind zeigen, wer das Sagen hat, sonst tanzt es einem auf der Nase herum!» Diese Angst scheint zu rechtfertigen, dass Kinder streng erzogen werden, indem man sie antreibt, nörgelt, ihnen Vorwürfe macht oder sie ausschimpft.

Der Gehorsam auf Biegen und Brechen schädigt jedoch die Beziehung. Ein gesundes Kind wehrt sich dagegen. Es kämpft um seine Würde und Integrität. Es will nicht schlecht gemacht werden. Es wehrt sich mit Widerspruch, schreit zurück, beleidigt oder leistet passiven Widerstand, indem es trödelt, nicht reagiert, sich dumm stellt. Die Eltern wiederum fühlen sich ohnmächtig und wütend. Und um dieses unerträgliche Gefühl der Ohnmacht weniger zu spüren, bringen sie dem Kind Gehorsam bei, teils mit Drohungen, Demütigungen oder Schlägen.

Aber wer ist verantwortlich dafür, ob die Situation eskaliert oder beendet werden kann? Etwa das widerspenstige Kind? Nein. Die Verantwortung für die Gestaltung der Beziehung liegt beim Erwachsenen. Weil er mehr Erfahrung, mehr Selbstkontrolle und mehr Macht hat.

Kinder brauchen Geborgenheit

Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder. Sie haben grossen Einfluss, weil Kinder für ein gutes Aufwachsen und Lernen Geborgenheit und Anregungen brauchen. Kinder erhalten das in erster Linie von ihren Vorbildern, ihren Eltern. Und sie merken: Gehen die Eltern respektvoll miteinander um? Machen sie andere für den eigenen Ärger verantwortlich? Drücken sie ihre Enttäuschung und Sorge in Worten aus, wenn die Welt nicht so ist, wie sie sich diese wünschen oder mit einer Ohrfeige?

Erschöpfte Geduld

Eltern haben grossen Einfluss, aber sie sind nicht allmächtig. «Gute» Eltern haben gelernt, dass ihre Macht beschränkt ist. Wenn Kinder zum Beispiel aus Ärger und Enttäuschung ausser sich und nicht ansprechbar sind. In solch schwierigen Momenten sind Eltern versucht, dem eigenen, durchaus verständlichen Ärger Luft zu verschaffen, mit Ratschlägen oder Strafpredigten. Aber damit verstärken sie die Not des Kindes: Wer frustriert ist oder einen Fehler gemacht hat und sich schämt, dem helfen Vorwürfe nicht weiter. Diese beschädigen das angeschlagene Selbstwertgefühl nur noch mehr.

Elterliche Geduld ist aber auch einmal erschöpft. In solch kritischen Situationen ist es nötig, dass Eltern zuerst für sich sorgen: Tief durchatmen, den Raum verlassen, sich ablenken, Zuspruch holen. Und erst dann auf das Kind zugehen, wenn der eigene Ärger verdampft ist. (e)

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 8. Februar 2019, Seite 7 (16 Views)

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