E-Paper - 08. Februar 2019
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«Keine Hausaufgaben bringen mehr Chancenausgleich»

Seit einem Jahr bilden Primarschul- und politische Gemeinde in Regensdorf eine Einheitsgemeinde. Jetzt hat die Primarschule die Legislaturziele für die nächsten vier Jahre festgelegt.

Sibylle Ratz

Regensdorf. Die Primarschulpflege Regensdorf besteht aus fünf Mitgliedern. Seit Sommer sind drei Behördenmitgliedern davon neu. Im vergangenen Halbjahr ging es deshalb darum, dass sich die Schulpflege-Mitglieder einarbeiteten und gemeinsame Zielsetzungen festgelegt wurden.

Beat Hartmann, Schulpräsident, ist es ein Anliegen, dass die Zusammenarbeit mit der Gemeinde gut läuft. «Gerade mit der Einheitsgemeinde müssen unterschiedliche Kulturen zusammenwachsen. Wir wollen Teil der Gemeinde sein und nicht die von der Schule», sagt er. Man sei aber auf gutem Weg.

In Regensdorf gibt es sechs verschiedene Schuleinheiten, die bisher autonom funktionierten. Dazu arbeiten fünf Personen in der Schulverwaltung. «Es mussten und müssen viele Absprachen gemacht werden. Es geht darum, wer informiert wen auf welchem Weg. Aber es kann auch entscheidend sein, wo man den Kaffee trinken geht in der Pause», meint er lachend. Die Einheitsgemeinde hätte schon zu Veränderungen geführt. «Es hat auch Personen gegeben, die sich für einen anderen Weg entschieden und bewusst gegangen sind. Ich sehe die Einheitsgemeinde als grosse Chance, dass wir uns auch als Schule weiterentwickeln», meint Hartmann.

Schulräume besser planen

In der engeren Zusammenarbeit erfahre die Schule auch viel früher von Bauprojekten, die wiederum Einfluss auf die Schulraumplanung haben. Wenn diese Informationen frühzeitig zur Verfügung stehen, kann die Schule prüfen, ob und wo es Überbrückungsmöglichkeiten gibt oder wann und wo neue Schulräume oder gar Schulhäuser gebaut werden müssten. «Für einen Schulhausbau rechnen wir rund fünf Jahre. Wenn in den nächsten 25 Jahren wegen neuer Überbauungen mit einem Bevölkerungszuwachs von rund 6000 Personen gerechnet wird und wir von einer Quote von 10 Prozent Schülern ausgehen, rechnen wir mit rund 450 neuen Primarschülern und 150 Sekundarschülern. Dann brauchen wir ein zusätzliches Schulhaus», rechnet er vor.

Das eine sind die strukturellen, verwaltungstechnischen Ziele und homogenere Strukturen, an denen Hartmann und sein Team arbeiten. Da geht es auch um scheinbare Details wie die Anpassungen der Personalreglemente von Schule und Gemeinde, aber auch um eine gemeinsame Haltung.

Im pädagogischen Bereich setzt sich Hartmann auch als betroffener Vater für eine einheitliche Schule Regensdorf ein. In den verschiedenen Schuleinheiten ist die Umsetzung des Lernplans 21, der die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in den Fokus rückt, das aktuelle Thema.

Keine Hausaufgaben mehr

Hartmann erläutert: «Die Vorarbeiten zur Einführung laufen schon seit vier Jahren. Als Schule sollen und wollen wir alle am gleichen Strick ziehen. Es geht dabei um kompetenzorientiertes Lernen. Die Schülerinnen und Schüler werden nicht mit Noten beurteilt, sondern aufgrund ihrer persönlicher Kompetenzen.» Ab Sommer wird Regensdorf in einer einjährigen Pilotphase die regulären Hausaufgaben abschaffen. Es soll mehr Lernaufgaben geben. In welcher Form, ist noch offen. Damit soll ein grosser Stressfaktor in Familien wegfallen. «Wir möchten die Zeit für das Verteilen und Kontrollieren der Hausaufgaben sinnvoller nutzen. Das gibt den Schülern die Möglichkeit, in der Freizeit wieder mehr Kind zu sein, und die Lehrer können die gewonnene Zeit gezielter für individuelle Förderung nutzen. Vier unserer fünf Schuleinheiten sind Quims-Schulen, also Schulen mit einem Fremdsprachenanteil von über 40 Prozent. Das bedeutet, dass diese Kinder oft nicht mit einer adäquaten Unterstützung bei den Hausaufgaben zu Hause rechnen können. Aber auch in Schweizer Familien ist das nicht überall gewährleistet. Wir müssen hier andere Wege finden. Hausaufgaben behindern dabei die Chancengleichheit. Das braucht auch ein Umdenken bei den Lehrern. Die Lektionen müssen auf vorangegangenen Lektionen aufbauen und nicht auf Hausaufgaben-Einheiten», sagt der Schulpräsident.

Integration durch Coaching

Einen speziellen Stellenwert in Regensdorf hat die Integration. «Wir haben eine Kleingruppenschule. Hier trainieren wir mit den Kindern, wie sie mit Stresssituationen besser umgehen können. Bei einer Integration oder Re-Integration in eine Regelklasse muss es sicher dem Kind besser gehen, aber auch für die Lehrpersonen soll es machbar sein. Oberstes Ziel bleibt schon aus Kostengründen die Integration. Es bringt aber nichts, wenn durch einen Schüler die ganze Klasse leidet. Hier setzen wir auf das Coaching von Lehrpersonen. Die Kleingruppenschule würden wir gerne um sechs Plätze erweitern. Aktuell haben wir zwölf Plätze, aber für einen freien Schulplatz immer rund 20 bis 40 Bewerbungen», erzählt Hartmann.

Im Bereich Musikschule will die Primarschule den Weg zum multidimensionalen Unterricht weiter vorantreiben. Dabei unterrichtet ein Lehrer mehrere Schüler gleichzeitig in Einzelsettings und Übungseinheiten. Die Schüler sind dann bis zu einer Stunde vor Ort, haben ihre Übungssequenzen, Inputs des Lehrers, aber auch die Möglichkeit mit anderen Kindern gemeinsam zu musizieren.

In den verschiedenen Schulhäusern gibt es zum Teil komplett unterschiedliche Einrichtungen und Mobiliar. Hartmann sagt: «Um für die Zukunft gerüstet zu sein, möchten wir ein einheitliches Konzept, einen eigentlichen Anforderungskatalog, den wir aus der Schublade ziehen können, wenn es darum geht, neue Schulräume oder Schulhäuser zu bauen oder in bestehenden Gebäuden Anpassungen und Erneuerungen zu machen. Damit können wir viel Geld und Zeit sparen».

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 8. Februar 2019, Seite 7 (19 Views)

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