E-Paper - 08. Februar 2019
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Erfolgreicher Eishockeyspieler aus Hüttikon stand schon von klein an auf dem Eis

Der Hüttiker Sven Leuenberger spielt beim Eissportverein Zug (EVZ) seit er 13 Jahre alt ist. Kürzlich hat er seinen ersten Profivertrag als Stürmer für die erste Mannschaft erhalten.

Malini Gloor

 

Hüttikon. Der junge Mann, der einem die Tür öffnet, wirkt ruhig, ausgeglichen und entspannt. Auf dem Eis sieht das anders aus: Da flitzt der technisch sehr versierte Stürmer Sven Leuenberger hochkonzentriert dem Puck nach, jederzeit bereit zum Angriff. Mitte Februar feiert er seinen 20. Geburtstag.

Vom grossen Bruder inspiriert

Zum Eishockey kam der Hüttiker in erster Linie über seinen Bruder. «Mein Bruder, der neun Jahre älter ist, schaute fern und guckte ein Eishockeyspiel. Das faszinierte mich. Ich wollte auch aufs Eis», erzählt er. Es dauerte nicht lange und der zweieinhalbjährige Sven hatte seine ersten, winzigen Schlittschuhe und fühlte sich sofort wohl auf dem Eis. «Ich komme aus einer Sportlerfamilie. Mein Vater war Sportchef beim Eishockeyclub Argovia Stars. Meine Schwester Corinne fuhr Skirennen, wo sie am Schluss ihrer Karriere auch FIS-Rennen bestritt. Von meinem Bruder, der natürlich auch Eishockey spielte, klaute ich als kleiner Knirps jeweils den Eishockeystock und spielte im Gang meines Elternhauses Unihockey.»

Zum Spielen habe er sich von seinen Eltern nie gedrängt gefühlt. Ihnen war wichtig, dass es ihm Freude macht. Als er dies bejahte, war für die Eltern klar, dass sie ihn entsprechend unterstützten. Seine Karriere begann er bei den Argovia Stars, mit denen er in Aarau und Wettingen trainierte. «Als Zwölfjähriger spielte ich dort noch ein Jahr auf der Stufe Mini Top. Durch die Zusammenarbeit des EVZ mit Argovia Stars wurde ich mit 13 Jahren in das Leistungskader des EVZ berufen. Dort spielte ich dann mit 14 Novize Elite, von 15 bis 16 Junior Elite», sagt Leuenberger.

Vor zwei Jahren durfte er bereits an der Junioren-U20-Weltmeisterschaft (WJC) in Buffalo in den USA teilnehmen: «Dort vor 18'000 Leuten im Stadion zu spielen, ist etwas ganz anderes. Die Wertschätzung ist zudem höher. Man wird sogar auf der Strasse angesprochen. Ich bin aber ganz froh, dass dies hier nicht die ganze Zeit passiert», berichtet Leuenberger mit einem Lächeln.

Eishockey und KV-Lehre

Diese steile Laufbahn ist nur möglich, weil Sven Leuenberger die Freie Evangelische Schule in Zürich besuchte, wo der Rektor ihm genug Zeit für die vielen Trainings gewährte. In der öffentlichen Schule wäre das derart nicht möglich gewesen. Gross war auch die finanzielle Belastung für die Familie. Aktuell absolviert er eine kaufmännische Lehre bei der Vaudoise-Versicherung in Zug und trainiert seit September beim EVZ als junger Profi täglich ein- bis zweimal.

Sven Leuenberger berichtet über seinen intensiven Tagesablauf: «Meine Tage sind sehr durchgeplant. Ich wohne ja weiterhin in Hüttikon und bin somit immer mit dem Auto unterwegs. Je nach Tag gibt es morgens zuerst Krafttraining, dann geht es zum Eistraining und nach dem Mittagessen gehe ich zur Arbeit ins Büro.» An den Berufsschultagen geht es frühmorgens zur Schule, danach aufs Eis und als Abschluss ins Büro. Ein dichtes Programm, welches den Hüttiker aber nicht stört. Er lebt seinen Traum und verliert dabei nie die Realität aus den Augen: «Mein Plan ist, dass es mit dem Hockey klappt. Diesen Sport kann ich aber maximal bis 40-jährig ausüben. Und das auch nur, wenn alles gut geht. Danach möchte ich gerne selbständig etwas arbeiten, zum Beispiel im kulinarischen Bereich, oder als Trainer.»

Am Freitag und Samstag finden die Eishockeyspiele statt. Da bleibt nicht viel Zeit für Hobbies und Freunde. Leuenberger sagt: «Im Winter bin ich praktisch nie im Ausgang, nach der Saison mache ich das aber gerne mal. Sowieso verbringe ich meine Zeit gerne sinnvoll. Oder ich entspanne und regeneriere meinen Körper zu Serien auf Netflix, die ich gemütlich auf dem Sofa schaue.»

Pro Saison spielt er rund 80 Spiele

Wenn im August jeweils die Saisonvorbereitungen beginnen, geht es um rund 80 Meisterschaft-Spiele, die bis etwa anfangs April gespielt werden. Leuenberger war ausserdem bereits 119 Mal für die Schweiz für das Nationalteam im Einsatz. «In der ersten Mannschaft möchte ich natürlich möglichst oft zum Spielen kommen. Bei der grossen Anzahl Spiele ist man aber jeweils doch etwas hinüber, und der Körper sagt einem Jetzt isch gnueg. Je nach Spielort dauert auch die Heimreise lange. So sind wir von Genf aus etwa um halb drei Uhr am Morgen daheim.»

Sven Leuenberger achtet auf seinen Körper, denn dieser ist sein Kapital. Im Dezember hatte er mit dem Nationalteam sein letztes Juniorenturnier in Vancouver sehr erfolgreich auf dem sensationellen 4. Platz beendet. Bevor es in die Ferien geht, war er am Wochenende beim Swiss-Ice-Hockey-Cup-Final gegen die Rapperswil Jona Lakers im Einsatz, den der EVZ mit 4:1 gewann. Leuenberger sagt: «Das Spiel am Sonntag war für mich sehr speziell. So eine Atmosphäre erlebt man nicht jeden Tag. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich bereits in meiner ersten NLA-Saison einen solchen Erfolg  mit meiner Mannschaft feiern durfte.»

Anfang März beginnen dann die Playoff-Spiele zur Schweizermeisterschaft, bei denen Sven Leuenberger natürlich mit dem EVZ bis zum Final dabei sein will. Gelingt das, so werden die Ferien dieses Jahr ausfallen, weil anschliessend gleich die Lehrabschlussprüfung ansteht.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 8. Februar 2019, Seite 11 (4 Views)

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