E-Paper - 01. Februar 2019
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Fruchtbarer Boden für einstige Deponie

Der Boden auf der früheren Deponie Langmatt soll mit Erdmaterial vom Flughafen verbessert werden. Die Pläne dazu haben auf der Gemeinde aufgelegen. Was genau in diesem Gebiet abgelagert wurde, ist nicht ganz einfach in Erfahrung zu bringen.

Sabine Schneiter

Rümlang. Die Ackerfläche südlich des Weilers Katzenrüti ist nicht weiter auffällig: Sie wird landwirtschaftlich genutzt, und nur wer einen zweiten Blick darauf wirft, mag erkennen, dass sich grobe Steine auf dem Ackerboden befinden und hin und wieder ein Stück Ziegel durch die Erdoberfläche blitzt. Anders jedoch das Bild im Kataster der belasteten Standorte des Kantons: Auf der Parzelle 5389, unter dem Namen «Grube Langmatt», zeigt sich ein grosser gelber Fleck. Das bedeutet, dass es sich um einen Ablagerungsstandort handelt, der als «belastet» gilt. Allerdings mit dem Zusatz «keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen zu erwarten», was der leichtesten Kategorie der belasteten Standorte entspricht. Handlungsbedarf, den Boden zu sanieren, besteht deshalb aus Sicht des Kantons keiner.

Nun soll der Boden auf einer Fläche von rund 4,4 Hektaren aufgewertet werden, und zwar mit Erdmaterial vom Flughafen Zürich. Bis am 31. Januar lag auf der Gemeinde die entsprechende Ausschreibung auf, mit der Flughafen Zürich AG als Bauherrin.

Win-win-Situation

«Bei Bauvorhaben auf dem Flughafengelände fällt generell Bodenaushub an, der bei nachgewiesener Eignung sinnvollerweise für eine landwirtschaftliche Bodenverbesserung verwertet werden kann», ist von der Medienstelle des Flughafens Zürich zu erfahren. Dabei ist der Flughafen gemäss Abfallverordnung in der Pflicht, abgetragenen «Ober- und Unterboden möglichst vollständig zu verwerten», sofern dieser nachweislich sauber ist und geeignete Eigenschaften aufweist.

Dies wiederum freut den Eigentümer der Parzelle in diesem Fall die Eidgenossenschaft. Jonas Spirig, Mediensprecher beim Bundesamt für Bauten und Logistik, spricht von einer Win-win-Situation für beide Seiten: «Für uns ist es ein Glücksfall, dass wir das Angebot haben, Boden zu bekommen, der das Land aufwertet.» Denn für die landwirtschaftliche Nutzung scheint das Gelände der ehemaligen Deponie nur bedingt geeignet.

Steine, Ziegel und Staunässe

Zwar wird das Gebiet Langmatt schon heute ackerbaulich genutzt, von einem Pächter aus dem Weiler Katzenrüti, wie dem aufgelegten Detailprojekt zu entnehmen war. Doch offenbar haben sich bei der Bewirtschaftung Probleme ergeben. Der Boden sei stark kies- und steinhaltig und enthalte viele Fremdstoffe wie Ziegel- und Backsteinstücke. Ausserdem weist er drei grosse Nassstellen auf. So ist das Landstück grösstenteils nicht als Fruchtfolgefläche klassiert, sondern lediglich als «gutes bis mässig gutes Wies- und Weideland», geprägt von Staunässe; bei ackerbaulicher Nutzung sei mit Ertragseinbussen zu rechnen.

Nach der Aufwertung durch den qualitativ hochwertigen Boden des Flughafens sollte der grösste Teil des Landes zu Fruchtfolgefläche werden, die sich grundsätzlich für den Anbau aller Kulturen eignet, entsprechend der Nutzungseignungsklasse 2 (statt heute 7).

Vorbereitend wurde das Land im letzten Sommer bereits entsteint. Die eigentliche Aufwertung ist laut Flughafen frühestens für Sommer 2020 geplant. Dabei sind im Bereich der Nassstellen Entwässerungsmassnah-men vorgesehen, danach werden 6000 m³ Oberboden und 15 500 m³ Unterboden auf dem Gebiet verteilt. Die Oberfläche des Geländes wird dadurch leicht angehoben, da der alte Boden nicht abgeführt wird.

Ursprung nicht eindeutig

Nicht ganz einfach ist es, Angaben zu finden, wozu die «Grube Langmatt» einst genutzt wurde. Ein Verzeichnis aus der entsprechenden Zeit existiert nicht. «Es gibt zahlreiche Ablagerungsstandorte im Kanton, aus der Zeit, als man noch unbekümmerter mit dem Thema umging», erklärt Wolfgang Bollack, Mediensprecher bei der Baudirektion.

Nachforschungen der Baudirektion haben ein Luftbild aus dem Jahr 1970 zutage gefördert, welches im entsprechenden Gebiet Auffüllaktivitäten zeigt. Auf dem Foto aus dem Folgejahr ist das Land bereits wieder rekultiviert, die offene Grube verschwunden. «Es wird vermutet, dass vorwiegend Aushubmaterial, möglicherweise untergeordnet auch Industrieabfälle abgelagert wurden», so die Auskunft dazu. Die entsprechenden Zeugen wie Ziegel oder Betonstücke dürften in naher Zukunft ebenfalls von der Erdoberfläche verschwinden.

Rümlanger Nachrichten vom Freitag, 1. Februar 2019, Seite 1 (33 Views)

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