E-Paper - 25. Januar 2019
Furttaler Nachrichten
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«Keine Familie ist perfekt»

Seit rund 30 Jahren gibt es die Elternbildung Furttal. Jedes Jahr veranstaltet der Verein verschiedene Veranstaltungen im Bereich Elternbildung. Präsidentin Janine Zingg hat sich für ein Gespräch über Elternbildung und Elternsein zur Verfügung gestellt.

Sibylle Ratz

Wieso braucht es überhaupt Elternbildung?

Janine Zingg: Kinder zu erziehen ist ein schönes Abenteuer, aber auch eine sehr anspruchsvolle tägliche Aufgabe! Jedes Kind ist anders, so wie auch Eltern ganz unterschiedlich sind. Es gibt daher keine fertigen Erziehungsrezepte. Aber die Kenntnisse zur Kindesentwicklung sind im Laufe der letzten Jahrzehnte enorm gewachsen und man weiss heute immer besser, was entwicklungsfördernd wirkt oder eben auch schwierig ist. Die Referenten der EBF vermitteln den Erziehenden in unseren Vorträgen und Workshops Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihre Erziehungskompetenz fördern und stärken. Dabei wird ein achtsamer und respektvoller Umgang angestrebt. Die Elternbildung richtet sich an alle Formen von Familien in den verschiedenen Lebensphasen.

Aber eigentlich braucht es doch dafür keine Ausbildung?

Vielleicht keine Ausbildung, aber eben Weiterbildung. Und was ganz wichtig ist bei unseren Angeboten: Es zeigt, dass es in jeder Familie Probleme gibt. Niemand ist perfekt und Familien schon gar nicht. Ich habe das zu Beginn selbst erlebt, als meine Kinder noch klein waren. Ich musste lernen, meinen Weg zu finden. Den Weg, der für meine Familie passt. Und nicht immer mit anderen vergleichen, sondern lernen, gelassener zu werden.

Was macht die Elternbildung Furttal denn genau?

Der Verein Elternbildung Furttal (EBF) besteht seit 1988. Elternbildung ist ein Teil der Erwachsenenbildung und befasst sich mit allen Aspekten der Erziehung und des Zusammenlebens in der Familie. Die EBF wird durch Behörden, Institutionen und Vereine aus dem Furttal getragen. Diese sind gleichzeitig Mitglieder des Vereins. Durch deren jährliche Mitgliederbeiträge und Subventionen sichern sie dem EBF die finanzielle Basis und ermöglichen dadurch, Kurse und Vorträge zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Zudem werden von den Mitgliedern der Kirchen- und Schulgemeinden Räume und Infrastruktur für Kurse und Vorträge gratis zur Verfügung gestellt. Mitglieder sind Gemeinde Regensdorf, Primarschulpflegen von Buchs und Dällikon, Sekundarschule Regensdorf / Buchs / Dällikon, Sekundarschule Unteres Furttal (SekUF), Katholische Kirchenpflege Regensdorf, Reformierte Kirche Furttal und der Dorfverein Adlikon.

Was sind die Herausforderungen der EBF? Wieso engagieren Sie sich dafür?

Früher waren die Kurse noch besser besucht. Zum Teil haben wir festgestellt, dass eine fehlende Kinderbetreuung bemängelt wird oder die Kurszeiten nicht so günstig liegen. Mittlerweile gibt es generell ein hohes Angebot an Kursen und Weiterbildungsangeboten. Trotzdem finde ich es sehr wichtig, sich auszutauschen. Neu haben wir auch Anlässe mit Kinderbetreuung und tagsüber. Wir hoffen, dass wir damit den Bedürfnissen entgegen kommen.

Was ist heute für Eltern schwierig(er) als früher?

Was sich sicher verändert hat sind die hohen gesellschaftlichen Erwartungen. Das führt zu grossen Verunsicherungen und Väter und Mütter meinen, perfekt sein zu müssen und perfekte Kinder zu haben. Haushalten, einkaufen, spielen, Geschichten erzählen, alles soll man unter einen Hut bringen. Aber eigentlich geht manchmal einfach nichts so, wie man es sich vorgestellt hat. Was ein Kind will und was es kann, deckt sich nicht immer mit unseren eigenen Bedürfnissen. Familie sein ist oft schwierig und braucht viel Kraft. Stress und Überanstrengung können zum Problem werden. Berufstätige Eltern sind in einem ständigen Spagat. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass viele Familien ohne zwei Einkommen nicht auskommen oder dass ein paar Jahre komplett aussetzen im Beruf einfach nicht drinliegt, weil man sonst den Anschluss verpasst.

Welche Angebote sind bei der EBF am meisten nachgefragt?

Die Vorträge zur Erziehung generell laufen sehr gut. Themen wie Umgang mit Streiten, Nein sagen, Konsequenzen, Lernen, Pubertät, Medien finden immer wieder grossen Anklang. Oftmals hilft es eben auch schon zu sehen, dass andere Eltern ähnliche Probleme haben, wie man selbst. Dann können Gespräche und ein konstruktiver Austausch in Gang kommen, der schon viel Druck nehmen kann.

Was braucht es, um Elternbildung zu machen? Was hilft? Wer hilft?

Die Mitglieder ernennen ein bis zwei Delegierte, die den Vorstand bilden. Dieser ist verantwortlich für die Planung und die Durchführung von Kursen und Veranstaltungen. Durch die Vernetzung von politischen, kirchlichen und schulischen Behörden sowie Elternorganisationen werden viele Interessen und Ideen berücksichtigt. Durch die intensive Zusammenarbeit der Vorstandsmitglieder fliessen die Anliegen vieler Beteiligter in den Sitzungen des Vorstandes ein. Diese werden somit engagiert und breit abgestützt nach aussen weiter vertreten. Wir sind auch froh um weitere freiwillige Helfer, die sich engagieren. Die Anforderungen für Vorstandsmitglieder sind Interesse an Eltern- und Erwachsenenbildung, Freude an Kommunikation und am Organisieren, Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit und gute Deutschkenntnisse.

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 25. Januar 2019, Seite 1 (53 Views)

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