E-Paper - 18. Januar 2019
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Städtebauliche Visionen für Otelfingen

Studierende der Architektur an der ETH Zürich haben in ihren Masterarbeiten Modelle und Visionen zu neuen Nutzungsmöglichkeiten des Jelmoli-Gebäudes und dem Industrieareal in Otelfingen entwickelt.

Sibylle Ratz

Otelfingen. Bereits Ende der 1950er Jahre war das Furttal und Otelfingen schon einmal Studienobjekt für eine «neue Stadt». Umgesetzt wurden die damaligen Ideen zwar nicht. Aber der Architekt Roland Rohn schuf 1968 das Jelmoli-Gebäude und die dazugehörenden Industriehallen. Das Industriegebiet Otelfingen wird heute noch durch diesen grossen, mehrere Fussballfelder grossen Baukomplex dominiert. Mittlerweile befindet sich in unmittelbarer Nähe der Golfplatz und die Umgebung wurde mehr und mehr zugebaut. Jetzt bildete das markante Gebäude die Grundlage für die Masterarbeiten von Architekturstudenten an der ETH Zürich.

Städtebau als Herausforderung

In jedem Semester haben die Architekturstudierenden für ihre Masterarbeit drei Themen zur Auswahl. Der Lehrstuhl von Professor Marc Angélil hatte dieses Semester die Aufgabe, das städtebauliche Thema zu definieren. Matej Draslar, Assistent von Angélil, erzählt: «Bei der Suche nach einer spannenden Aufgabe wurde unser Professor bei einem Gespräch mit dem Kantonsplaner auf das Gebäude in Otelfingen aufmerksam gemacht. Zu diesem Zeitpunkt veranstaltete der Eigentümer zusammen mit der Gemeinde bereits einen Workshop zur städtebaulichen Planung des Industriegebiets. Wir konnten uns anschliessen. Dies war für uns der Ausgangspunkt für die Arbeit.»

Zusammen mit Roman Schwitter erstellte er für die Studierenden eine Dokumentation zur Vorbereitung und formulierte die Aufgabenstellung. Schliesslich haben 14 Studierende sich in ihrer Masterarbeit mit diesem Thema befasst. «Die städtebauliche Aufgabe hat in der Regel weniger Interessenten als die anderen, auf einen Baukomplex beschränkten Aufgabestellungen. Hier hatten die Studierenden jedoch die Möglichkeit, in ganz verschiedenen Flughöhen zu arbeiten», erläutert Draslar. Für ihre Arbeit hatten die Studierenden ein leicht verkürztes Semester zur Verfügung. Letzte Woche waren dann die Modelle und Projektideen in der ETH am Hönggerberg ausgestellt.

Visionen zulassen

Eine Besuchergruppe von 15 Personen, darunter Gemeindepräsidentin Barbara Schaffner und Gianfranco Basso als Eigentümervertreter, liess sich vergangene Woche von Matej Draslar die verschiedenen Modelle zeigen und erklären. Die Studierenden haben tatsächlich aus dem Vollen geschöpft. Detailliert ausgestaltete Projekte zur Mischnutzung von Arbeiten und Wohnen sind ebenso zu finden wie landschaftsverändernde Visionen mit mehreren Hochhäusern. Die Reaktionen der Besuchergruppe waren überwiegen positiv und die Gruppe sehr interessiert. «Es ist fast nicht möglich, einen Favoriten aus den Arbeiten zu nennen.», meint Draslar. Beispielhaft hebt er aber zwei Projekte hervor. Das Projekt von Julia Fehr setzt sich seiner Meinung nach sensibel mit den Qualitäten des bestehenden Lagergebäudes auseinander und zeigt, wie viel räumliches Potenzial die Struktur für zukünftige Nutzungen hat. Andererseits gelingt es dem Projekt von Matthias Müller, Synergien mit dem Golfpark einzugehen und die eindrückliche Dachfläche des Gebäudes in Bezug zur Landschaft des Furttals zu setzen. Dazu begrünt der Student die Dachfläche und plant auslaufende Rampen in die Landschaft und in die Umgebung.

Grundsätzlich stellte sich die Frage, ob an dem Ort gewohnt werden kann und falls ja, welche Formen des Wohnens Sinn machen würden. Zu bedenken war auch das Verhältnis des Gebäudes und seiner künftigen Nutzer zum Dorf Otelfingen und welche Ansätze aus ökonomischer Sicht Potenzial haben. Die grösste Herausforderung für die Studierenden war es, eine Nutzung oder Nutzungs-Mischung für das Gebäude zu finden, die den vielfältigen und teilweise widersprüchlichen Kriterien entspricht. Eine zweite Herausforderung war trotz der Grösse und den beinahe unendlichen Möglichkeiten im Innern des Gebäudes, den Bezug zum restlichen Industriegebiet, dem Dorf Otelfingen und auch der Landschaft des Furttals im Auge zu behalten.

Die Masterarbeiten werden in erster Linie bei den jeweiligen Professuren archiviert. Draslar und sein Team arbeiten jetzt noch an einer Dokumentation der Arbeiten. «Die Zusammenstellung werden wir der Gemeinde, dem Eigentümer und allen weiteren interessierten Beteiligten zur Verfügung stellen. Welche Form diese genau haben wird, werden wir noch sehen», sagt er. Draslar sieht in den Aufgabenstellungen dieser Art eine ideale Basis, um die Diskussion zu komplexen städtebaulichen Fragestellungen frühzeitig anzukurbeln: «Damit spannen die Studierenden einen breiten Fächer an Lösungsmöglichkeiten auf, der die Diskussion unter den verschiedenen Interessengruppen bereichern kann, da manche Ideen, die unter Umständen schon von vornhinein ausgeschlossen worden wären, hier trotzdem gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dies kann neue Lösungsansätze hervorbringen.»

Nachhaltige Entwicklung

Gemeindepräsidentin Schaffner zeigte sich beeindruckt von den Arbeiten. «Es ist überraschend, wie vielfältig die Ideen der Studierenden sind. Spannend fand ich die Projektideen mit Urban Farming, das Sport- und Kongresszentrum oder diejenigen mit Forschungshintergrund.» Die Erklärungen und die Führung durch Matej Draslar hätten mit den Erklärungen über die Gedankengänge ganz anderen Zugang zu den Projekten gegeben. «Mein Wunsch ist es, dass die Planung sorgfältig und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde passiert», ergänzt sie.

Das ist auch für Gianfranco Basso von Swiss Prime Site wichtig: «Die Arbeiten sind sehr inspirierend. Wir haben aber keine Eile, sondern wollen eine langfristige und nachhaltige Entwicklung. Im Dialog mit den Mietern wie auch mit der Gemeinde werden wir eine Auslegeordnung machen und gemeinsam prüfen, welche Ideen wir weiterverfolgen möchten und was langfristig und für die Region Sinn macht.»

Furttaler Nachrichten vom Freitag, 18. Januar 2019, Seite 1 (21 Views)

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